Forschung

Klassismus? Was ist das denn?

Vortrag und Diskussion mit Andreas Kemper

Klassismus ist ein Begriff zur Bezeichnung der Diskriminierung von Personen aufgrund des tatsächlichen, vermuteten oder zugeschriebenen sozial- oder bildungspolitischen Status. Dieser individuellen, institutionellen und kulturellen Unterdrückung wird in Deutschland noch wenig Beachtung geschenkt.

Klassismus Was ist denn das

Der Begriff Klassismus beschreibt die Erfahrung persönlicher Diskrimnierung von Menscehn als gesellschaftliches, strukturelles Problem. Damit ergänzt und überschneidet er sich mit der Analyse von Rassismus, Sexismus und anderen Diskriminierungsformen.

Menschen in Armutsverhältnissen wird zum Beispiel gewalttätiges Verhalten oder Alkoholismus stereotyp unterstellt und medial inszeniert, obwohl diese Phänomene klassenübergreifend gleichermaßen vorkommen.

Kinderbetreuung im Nebenraum. Kennenlernen dazu ab 15 Uhr. Kontakt: gleichstellung@asta-bielefeld.de

Mittwoch, 25.07.2012, 16 Uhr Uni Bielefeld Raum S0 – 103

“Emanzipatorisch, sozialistisch, kritisch, links?!”

Buchvorstellung und Diskussion mit Janek Niggemann

Aktivist_innen und Bildungsarbeiter_innen aus dem Gesprächskreis Politische Bildung der Rosa-Luxemburg-Stiftung diskutieren Grundlagen einer gesellschaftskritisch ausgerichteten politischen Bildung. Ihre Debatten haben sie in einem Buch mit dem Titel “Emanzipatorisch, sozialistisch, kritisch, links?!” zusammengefasst. Dieser Band mit einführenden Texten zum Verhältnis von Bildung und Befreiung soll im Zuge der Veranstaltung mit Janek Niggemann (dem Herausgeber) vorgestellt werden.

Mit Blick auf die Überlegungen von Gramsci, Brecht, Freire, Heydorn, Negt, Holzkamp, der Schulungspraxis der KPD und der Social Justice Education werden Möglichkeiten kritischer Bildungspraxis erörtert. Die teils unbekannten, vergessenen oder verloren gegangenen Zugänge sollen ermöglichen, sich lernend mit den Erfahrungen und Traditionen linker Bildung auseinanderzusetzen. Kritische Bildung kann so helfen, sich den Herausforderungen gesellschaftlicher Veränderungen zu stellen und sie voranzubringen.

Der Referent Janek Niggemann ist Mitautor und Herausgeber des Buches, das im Juni 2012 als Nummer 97 der Reihe “Manuskripte” der Rosa-Luxemburg-Stiftung beim Karl-Dietz-Verlag (Berlin) erschien. Über die Homepage der RLS kann der Band online eingesehen und heruntergeladen werden.
[http://www.rosalux.de/publication/38499/emanzipatorisch-sozialistisch-kritisch-links.html]

Donnerstag, 26. Juli 2012, 18 Uhr im Club Courage, Sternstraße 31 (Eingang Hinterhof Friedensstraße) Münster

Eine Veranstaltung des Referats für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende (FIKUS)
[http://www.fikus-muenster.de/]
und der Projektstelle “Club Courage” des AStA der Uni Münster
[http://www.asta.ms/].

OECD empfiehlt Abschaffung der frühen sozialen Selektion

Von Andreas Kemper

Equity and Quality in Education. Supporting Disadvantaged Students and Schools

Ein neuer OECD-Bericht empfiehlt verstärkte Investionen im Schulbereich, Abschaffung des Sitzenbleibens, Selektion/Segregation erst ab Sek II, Einschränkung der freien Schulwahl durch Eltern.

Interessant ist die Formulierung: „Dort, wo Widerstände gegen eine Aufschiebung des Zeitpunkts der Selektion bestehen, empfiehlt es sich, die untersten Schulzweige abzuschaffen, um die negativen Effekte dieser Praxis zu verringern.“ Diese Formulierung irritiert mich, aber ich kann noch nicht genau sagen, warum. Vielleicht, weil einfach hingenommen wird, dass es diesen Widerstand gibt, obwohl er wissenschaftlich keine Grundlage hat?

Herkunft zensiert

Benotung und Schulempfehlung fördern Chancenungleichheit in der Bildung: Neue Studie im Auftrag der Vodafone Stiftung untersucht Verhältnis von Leistungsdiagnostik und sozialer Ungleichheit an Schulen

Eine neue Studie hat die verschiedenen Herkunftseffekte für den Übergang zum Gymnasium untersucht und vorangegangene Studie bestätigt, die eine massive Diskriminierung von Arbeiterkindern belegen. In der von der Vodafone Stiftung finanzierten Studie „Herkunft zensiert?“ wurden vier Herkunftseffekte untersucht, die beim Übergang zum Gymnasium kulminieren:
1.unterschiedliche Leistung aufgrund des primären Effekts (Arbeiter- und Akadedmikerkinder stehen unterschiedliche Ressourcen zur Verfügung),
2. unterschiedliche Benotung der gleichen Leistung durch Lehrkräfte
3. unterschiedliche Gymnasialempfehlung der Lehrkräfte bei gleichen Noten
4. unterschiedliche Präferenzen der Eltern je nach Status (mehr…)

Soziale Ungleichheit bei der Wahl der Hochschule

Pressemitteilung des Hochschul Informationssystems (HIS) vom 03.11.2011

Vor dem Hintergrund der Bildungsexpansion wurde mit der Exzellenzinitiative und den Hochschulrankings ein Differenzierungsprozess angestoßen, der die Hochschullandschaft zunehmend in vermeintlich qualitativ „bessere“ und „schlechtere“ Standorte unterscheidet.

Der Leitartikel des HIS:Magazins 4|2011 „Soziale Ungleichheit bei der Wahl der Hochschule?“ widmet sich den Fragen: Wer studiert an einer renommierten Hochschule und welche Auswirkung haben die veränderten Rahmenbedingungen auf die herkunftsspezifischen Unterschiede bei der Hochschulwahl? (mehr…)

OECD Bildung auf einen Blick 2011

Die aktuelle OECD-Studie stellt für Deutschland u.a. folgende Trends fest:

  1. Die Bildungsausgaben gemessen am BIP sind vor allem im Primärbereich (Grundschule) gesunken und gehören zu den niedrigsten im OECD-Vergleich.
  2. Bei der Zahl der Hochschulabschlüsse wird Deutschland immer weiter abgehängt.
  3. Die Beschäftigungsquote für Akademiker_innen ist in der Wirtschaftskrise nur in Deutschland und Australien gestiegen.
  4. Die Einkommensunterschiede zwischen Akademiker_innen und Nicht-Akademiker_innen sind in Deutschland gewachsen.

(mehr…)

Unterschätzte Geburtenneigung

Von Andreas Kemper
Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung hat die Geburtenrrate in Deutschland von 1,4 auf 1,6 Kindern pro Frau nach oben korrigiert. Der Fehler der bisherigen Erfassung der Geburtenrate lag im Übersehen des sogenannten „Tempo-Effektes“. Frauen schieben die Geburten immer wieder weiter nach hinten. Insbesondere Frauen, die nach 1970 geboren wurden, bekommen demnach sehr viel häufiger Kinder als angenommen. Der Dishwasher hatte bereits vor zwei Jahren ein Interview mit Professor Hufnagel-Person geführt, der auch auf diesen Aspekt aufmerksam gemacht hatte und vor allem darauf verwies, dass die sogenannte Akademikerinnen-Kinderlosigkeit maßlos übertrieben würde. Denn es sind vor allem Akademikerinnen, die aufgrund ihrer Biografie später bekommen. (mehr…)

Produzieren wir eine Schicht der Verlierer?

Renate Köcher (Allensbach) in der FAZ vom 17.08.2011:

„Allensbach-Umfrage für die F.A.Z.
Produzieren wir eine Schicht sozialer Verlierer?
Unter- und Mittelschicht bleiben abhängig vom Arbeitseinkommen. Die Oberschicht hat sich aus dieser Abhängigkeit gelöst. Aber auch sonst läuft vieles auseinander in der Gesellschaft.“ Weiter

Ernst Bloch: Der Schriftsteller in der Industriegesellschaft

Der Titel ist irreführend. Es geht vor allem um Revolte, Leitbilder und Utopie. Der Vortrag erscheint mir hochaktuell in Zeiten des Pragmatismus, der Wiederkehr von selbsternannten Kreuzrittern, der Aufstände in Tottenham und anderen britischen Städten und einem Bildungssystem, welches Arbeiterkinder systematisch ausgrenzt und dem Kultusminister vorstehen, die in ihrer Karriereorientierung ihre Dissertationen plagiierten. An einigen Stellen ist Bloch antiquiert („Wahrer Mann, wahres Weib“), aber so wie er von Marx sagt, dass dieser es ablehnte, als Marxist bezeichnet zu werden, so ist es prinzipiell durchaus im blochschen Sinn, Blochs Philosophie genderspezifisch zu korrigieren. Das Youtube-Video wurde von „denkentutgut“ eingestellt und er hat einige Passagen aus dem Vortrag zusammengefasst. Diese Lektüre ersetzt aber keinesfalls den Vortrag: (mehr…)

Sachens Kultusminister unter Plagiatsverdacht

Auch Sachsens Kultusminister, Roland Wöller (CDU), wird verdächtigt, Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. So berichtet die aktuelle ZEIT-online in dem Artikel „Wissenschaft Tacheles, Herr Doktor!“, dass bereits 2007 darauf hingewiesen wurde, dass Teile der Doktorarbeit von 2002 Teilen einer Magisterarbeit von Bernd Adolph glichen.

Es handelt sich nun um den zweiten Kultusminister, der unter Plagiatsverdacht steht. Nach welchen Kriterien werden eigentlich Kultusminister bestimmt? Und was sagt uns das in Bezug auf Uni-Bluff?

LehrerInnen urteilen leistungsgerechter als Eltern

Pressemitteilung des IDW Universität Mannheim, 29.07.2011 10:50
Mehr Bildungsgerechtigkeit durch bindende Lehrerempfehlungen zum Schulübertritt für Viertklässler

Die Abschaffung verbindlicher Übertrittsempfehlungen für Viertklässler verstärkt soziale Unterschiede, sagt der Mannheimer Sozialwissenschaftler Jörg Dollmann / Lehrer urteilen leistungsgerechter als Eltern
Wohin nach der Grundschule? Kinder, Eltern und Lehrkräfte stehen am Ende der vierten Klasse unter Entscheidungsdruck. Zahlreiche Bundesländer überlassen diese Entscheidung mittlerweile den Familien, die Lehrkräfte geben nur unverbindliche Ratschläge für eine Schulart. Auch Baden-Württemberg will die bindende Grundschulempfehlung nach dem vierten Schuljahr abschaffen – in Sachen Bildungsgerechtigkeit wäre dies allerdings ein Rückschritt. Das zeigt eine Studie des Sozialwissenschaftlers Dr. Jörg Dollmann vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) der Universität Mannheim. (mehr…)

Anti-Bias-Tage in Oldenburg 7-9.10.2011

Anti-Bias-Tage Oldenburg

Mitteilung aus Oldenburg:

„Die Anti-Bias-Tage widmen sich dem Anti-Bias-Ansatz und damit allen Menschen, die gegen Diskriminierung und gesellschaftliche Schieflagen (weiter) aktiv werden wollen. Im Rahmen der Tagung wollen wir eine Begegnung von Menschen mit unterschiedlichen Zugängen zum Ansatz ermöglichen. Wir wollen Projekte und Handlungsfelder der Anti-Bias-Arbeit sichtbar werden lassen und den Ansatz erlebbar und bekannter machen. Dies beinhaltet das Angebot, sich über Austausch, Solidarisierung und gemeinsame Perspektivarbeit in der Handlungsfähigkeit gegen Diskriminierung zu stärken. Dabei ist die leitende Idee der Tagung, die Anti-Diskriminierungsarbeit in diversen pädagogischen und politischen Arbeitsfeldern zu stärken, Mitstreiter_innen zu gewinnen und Akteur_innen zu vernetzen.“ (mehr…)

Diskriminierungsfreie Hochschule – Erster Projektbericht liegt vor

Wir hatten vor anderthalb Jahren interveniert, als die Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu Diskriminierung an Hochschulen aufgrund der im AGG genannten Diskriminierungsgründe forschen lassen wollte – also unter Ausschluss des Diskriminierungsmerkmals „Soziale Herkunft“. Im ersten Projektbericht ist die Soziale Herkunft nun enthalten.

„3.2.5 Soziale Herkunft
Ebenso wie das AGG und die Europäischen Richtlinien lassen auch die europäischen und amerikanischen Bundesgesetze den sozioökonomischen Aspekt im Kontext der Antidiskriminierungsgesetze außen vor. Dementsprechend rar sind spezielle Maßnahmen an den Hochschulen, die sich speziell der Herstellung von Chancengleichheit für einkommensschwache Hochschulmitglieder widmen. Auf der Ebene abstrakter Absichtserklärungen kann bei einigen Hochschulen jedoch festgestellt werden, dass der sozioökonomische Aspekt zum Teil gleichberechtigt neben anderen Diskriminierungsmerkmalen oder gesondert Erwähnung findet.“

Was soll ein Doktorgrad?

Von Andreas Kemper

Was soll ein Doktorgrad? Warum gibt es ihn? Pierre Bourdieu spricht von „institutionalisiertem kulturellen Kapital“. Der Doktorgrad gibt dem Habitus, bzw. dem „inkorporierten sozialen Kapital“ eine institutionelle Wahrheit: man ist Doktor. In Deutschland, Österreich und Tschechien kann der Doktorgrad im Personalausweis geführt werden (in allen anderen Staaten allerdings nicht), was nocheinmal mehr unterstreicht, das es sich bei Doktor_innen vor allem in Deutschland um „akademischen Adel“ handelt. Dieser Grad ist notwendig für die Stellenbesetzung. Durch die aufgeflogenen Plagiate von Spitzenpolitiker_innen in den letzten Jahren gerät diese Titelhuberei allerdings in die Kritik. Doch dies ist nur die eine Seite. Spannend ist die Frage: was ist denn unter „dem Neuen“ zu verstehen, welches eine Dissertation von anderen Arbeiten unterscheidet. Und was legitimiert, von Doktor_innen zu sprechen, vom Standpunkt akademischer/studierender Arbeiterkinder betrachtet? Gramsci spricht von „organischen Intellektuellen“. Mit meiner Dissertation möchte ich tatsächlich Neues in die Welt bringen. Ich würde mit Euch gerne diese Fragen diskutieren.

Weitere Konferenzen für Working Class/ Poverty Class Academics geplant

Pressemitteilung

Erstmals in Deutschland tagte an der Universität Münster am ersten Juli-Wochenende die 15. Konferenz der Working Class/ Poverty Class Academics (WCPCA). Lehrende, Studierende und an der Hochschule Beschäftigte nichtakademischer Herkunft diskutierten gemeinsam mit US-amerikanischen Kollegen Zustände an Hochschulen, die kulturell, sozial und materiell von Mittel- und Oberschicht dominiert werden. Dort stellten sich Selbstorganisationen von studierenden ArbeiterInnenkindern vor. Probleme der Bildungsbenachteiligung zeigten sich hier in konkreter Deutlichkeit. So wurde berichtet, dass HauptschullehrerInnen sich weigerten, Bildungsgutscheine für Nachhilfeunterricht zu unterzeichnen, auch seien Latinum-Nachweise Bildungsbarrieren für Studierende des Zweiten Bildungsweges. Begabtenförderwerke hätten Sensibilisierungsbedarf für studierende ArbeiterInnenkinder. „Eine kritische Selbstorganisierung von ArbeiterInnenkindern im Bildungssystem ist dringend notwendig“, fasste Tagungsleiter Andreas Kemper zusammen. „Die Zusammenarbeit mit Stiftungen, dem Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) und Universitätsleitungen sollte ausgebaut werden.“ Die 16. internationale WCPCA-Tagung findet 2012 in North Dakota, USA, statt. Konferenzteilnehmer Prof. Jim Vander Putten von der Universität Little Rock, Arkansas, ist hier Ansprechpartner. Da großer Gesprächsbedarf besteht, findet 2012 zusätzlich eine deutschsprachige Tagung statt. Interessierte können sich an das Magazin für studierende ArbeiterInnenkinder „The Dishwasher“ wenden.

Kontaktadressen:
http://dishwasher.blogsport.de
http://wcpca.wordpress.com
http://www.workingclassacademics.org




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