Forschung

15. Working Class Academics Tagung

Heute, Freitag, 08.07., gehts los. Um 14 Uhr. Gäste aus Little Rock/ Arkansas und München sind schon da. Wir treffen uns in der Scharnhorststr. 121, im Institut für Soziologie, voraussichtlich Raum 454, nähere Infos gibts im Foyer. Es ist auch möglich zu den einzelnen Veranstaltungen zu kommen. Das Programm findet sich auf der Tagungsseite.
Bis später!

WCPCA-Tagung 8.-10.07. Münster

Vom 8.-10.Juli 2011 findet die 15. Tagung der Working Class / Poverty Class Academics am Institut für Soziologie in Münster statt. Weitere Infos finden sich unter http://wcpca.wordpress.com
Tagungsplakat

Der doppelte Klassenbegriff

Von Andreas Kemper

Ich habe auf Grundlage einer Idee von Gabriele Winker und Nina Degele einen Artikel begonnen zum Thema „Doppelter Klassenbegriff“. Was haltet ihr davon, analytisch den Klassenbegriff in Produktionsklassen und Reproduktionsklassen zu trennen? Hier ist der Artikel: Doppelter Klassenbegriff

Eurostudent-Studie: Höchste soziale Selektivität in Deutschland

Von Andreas Kemper

Wieder einmal wird die hohe soziale Selektivität des deutschen Bildungssystems bestätigt. Diesmal die des Hochschulsystems im Europäischen Vergleich. In Deutschland haben nur 2% der Studierenden Eltern mit einem „low-educational-background“ aber 69% der Studierenden Eltern mit einem „high-educational-background“. Die Vierte Eurostudent-Studie hat diesmal einen Schwerpunkt auf die soziale Herkunft und beleuchtet dieses Thema sehr differenziert. Europameister ist das deutsche Hochschulsystem noch in einer anderen Weise: es ist das einzige europäische Land, in dem mehr Männer als Frauen studiert. Der Handlungsbedarf ist also nach wie vor groß. Eine Studie von Holger und Tino Bargel vom letzten Jahr befasste sich mit den Ungleichheiten und Benachteiligungen aufgrung der sozialen Herkunft der Studierenden.
Wir haben für den 8.-10. Juli 2011 eine internationale Tagung organisiert, die sich explizit mit den Benachteiligungen im Hochschulsystem befassen wird, wo vor allem Selbsthilfe-Organisationen von Arbeiterkindern zu Wort kommen werden: http://wcpca.wordpress.com .

Kritik am Diss-Journal 21

Von Andreas Kemper

Das „Diss-Journal“ ist das Magazin des vor ca. 25 Jahren gegründeten „Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung“. Die Analysen aus diesem Institut finde ich in der Regel sehr gelungen und ich habe auch mit Begeisterung Siegfried Jägers „Kritische Diskursanalyse“ gelesen. Während jedoch der Band „Kritische Diskursanalyse“ durch seine Kritik an der Soziolinguistik und durch den Bezug auf die Tätigkeitstheorie Leontjews zu einer Sensibilisierung klassensspezifischer Fragestellung anregt, muss leider für die Veröffentlichungspraxis der letzten Jahre festgestellt werden, dass Klassendiskriminierungen vom Duisburger Institut kaum fokussiert wurden, jedenfalls sehr viel seltener als andere Diskriminierungsformen. (mehr…)

„Oben“ und „unten“ gibt es nicht – Kritik am klassenbezogenen Vertikalitäts-Diskurs

Von Andreas Kemper

Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde die Gesellschaft als Ständegesellschaft aufgefasst. Die Einteilung in Stände entsprach der gesellschaftlichen Produktionsweise des Feudalismus. Die Stände wurden dabei hierarchisch geordnet. Hierarchie heißt so viel wie „heilige Ordnung“. Diese Ordnung verortete Gott oben und das Schlechte unten. Oben zu sein hieß Gott näher sein. Das Gute floss von Oben nach Unten. Dies spiegelte sich auch architektonisch oder in anderen Dispositiven wider. (mehr…)

Zweite Jenaer Klassenkonferenz

Am 1. und 2. Juni findet in Jena die Zweite Jenaer Klassenkonferenz statt. Anhand von drei Orten – Stuttgart, Neukölln, Hamburg – werden aktuelle Streitthemen auf ihren klassenspezifischen Gehalt untersucht und diskutiert: bürgerlicher Protest (Stuttgart 21), Migration und Klasse (Neukölln, Sarrazin-Debatte) und Bildungspolitik der Privilegierten (Hamburger Schulstreit).

Wissen weitergeben – für ein soziales Wikipedia

Von Andreas Kemper

Wissen sozialieren: Schreib mit beim Sozialen Wiki!


Als studierende/studierte Arbeiterkinder stehen wir mit einem Bein in unserer arbeiterlichen Herkunftskultur und mit dem anderen im akademischen Milieu. Wir sind sozusagen dafür prädestiniert, Wissen weiterzugeben, zwischen beiden Milieus fließen zu lassen. Ich denke, dass auch ein Großteil derjenigen, die Projekte wie Wikipedia aufgebaut haben und mit Wissen füllen, selber „Bildungsaufsteiger“ sind. (mehr…)

11. Studiensurvey: Bildungsbenachteiligung bleibt unverändert

Das 11. Studiensurvey der AG Hochschulforschung der Uni Konstanz teilt in der Kurzmitteillung zum Kriterium Soziale Herkunft mit:

Für die Studienaufnahme ist sowohl eine gute Abiturnote als auch die akademische Herkunft von fast gleichem Gewicht. 2010 gehören 42% der Studierenden zum Kreis der Bildungsaufsteiger (kein akademisches Elternhaus); ihr Zugang an die Hochschulen hat sich kaum erweitert. An den Universitäten ist ihr Anteil weit geringer als an den Fachhochschulen.

Die Verwirklichung von Auslandsaktivitäten ist abhängig von der sozialen Herkunft. Besonderes Gewicht als Barriere haben Finanzierungsprobleme und Notwendigkeiten der Umorientierung.

Weitere Infos: Zentrale Ergebnisse des 11. Studiensurvey

„Klassen, Kultur und symbolische Herrschaft — Gesellschaftsdiagnose nach Pierre Bourdieu“

In Freiburg findet am 7. und 8. Oktober 2011 die Konferenz „Klassen, Kultur und symbolische Herrschaft — Gesellschaftsdiagnose nach Pierre Bourdieu“ statt.
Weiter zur Tagungsankündigung/ Call for paper.

Bildungstradition hält PraktikerInnen von Uni fern

Aus Böckler Impuls 02/2011 der Hans Böckler-Stiftung

Nur wenige gelangen über den zweiten oder dritten Bildungsweg an die Hochschule. Einer Öffnung der Unis für Menschen mit Berufserfahrung statt Abitur steht die deutsche Bildungstradition entgegen.
Wer die Regelschule ohne Abitur verlassen hat, hat es schwer, einen akademischen Abschluss zu erreichen. Nur knapp fünf Prozent der Studenten an Universitäten und Fachhochschulen haben ihre Studienberechtigung auf dem zweiten oder dritten Bildungsweg erworben. Also etwa das Abitur an einem Abendgymnasium nachgeholt oder eine Uni-Zulassung aufgrund ihrer praktischen Berufserfahrung bekommen. Eine bildungshistorische Studie verdeutlicht, was dem nachträglichen sozialen Aufstieg in akademische Kreise bisher im Wege steht. Vor allem ein tradierter Bildungsbegriff: Während praxisferne Allgemeinbildung hohes Ansehen genießt, wird Berufsbildung geringer eingestuft, so die Autorin Elisabeth Schwabe-Ruck.

NRW-Bildungskonferenz (GEW/DGB)

In Bochum findet am Donnerstag, 17.02., und Freitag, 18.02., ein Bildungskongress von GEW-NRW und DGB-NRW statt. Bochumer Kongress 2011. „Bildung: Schlüssel zur Zukunft“ Bis zum 31. Januar kann man sich anmelden. Der Kongress findet an der Uni Bochum statt.

Auslandsaufenthalt im Studium ist von sozialer Herkunft abhängig

In der aktuellen Studie „Internationalisierung des Studiums“ vom HIS im Auftrag des Deutschen Studentenwerks und des BMBF wird hervorgehoben, dass noch immer doppelt soviele Studierende mit einer sogenannten hohen Herkunftsgruppe doppelt so häufig einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt absolvieren wie Studierende der niedrigen oder mittleren Herkunftsgruppe.

„Die Auslandsmobilität variiert nach wie vor deutlich in Abhängigkeit von den sozialen Herkunft der Studierenden (Bild 3.6). Studierende der Herkunftsgruppe „hoch“ haben anteilig fast doppelt so häufig einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt absolviert im Vergleich zu Studierenden der Herkunftsgruppe „niedrig“ (20 % vs. 11 %). Gegenüber 2006 sind die Unterschiede zwischen den Herkunftsgruppen etwas geringer geworden (12 % vs. 9 %) [Anmerkung vom Dishwasher: das muss natürlich 21% vs. 9% heißen]

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Arbeiter-Sexualität und der Niedergang der Sexualwissenschaft

Passend zum vorangegangenem Artikel „Klassenkörper“ ist heute in der FAZ-online ein Beitrag erschienen mit dem Titel: „Der Niedergang der Sexualwissenschaft. Verhaltensmanagement statt Triebschicksal“ von Magnus Klaue. Die Sexualwissenschaft hat beginnend mit Wilhelm Reich einen klassenkritischen Ansatz verfolgt. Was im Artikel von Magnus Klaue fehlt, ist der Hinweis auf Sex-Pol Gruppen, deren Aktivitäten nicht nur in Forschung, sondern auch in politischer Praxis bestanden. Sexpol-Nord, eine westberliner Gruppe, die hauptsächlich aus Lehrlingen und Schüler_innen bestand, verteilte Ende der 60er Jahre Anti-Baby-Pillen und veröffentlichte Interviews zur Sexualität. „[…] in einem Lande, wo man offiziell Klassen zu Gerede erklärt, können diese Protokolle Klassenbewußtsein anschaulich machen, auch dann, wenn von Sexualität gesprochen wird.“ (Gruppe Sexpol-Nord (Westberlin): Sexpol-Protokolle, in: Hans-Peter Gente (Hrsg.): Marxismus. Psychoanalyse. Sexpol, Band 2: Aktuelle Diskussion, Frankfurt a.M. 1972)

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Klassenkörper

Von Andreas Kemper

Die neue Arranca! widmet sich dem Thema „Körper“. Im Call for Paper und im Editorial ist auch die Rede von „Klasse und Körper“. Leider findet sich aber dazu nichts in den Texten der Nr. 43 „Bodycheck und linker Haken“. Uns hat das Call for Paper nicht rechtzeitig erreicht, dabei wäre es doch gerade angesichts der Sarrazin-Debatte wichtig, Klassenkörperlichkeit zu thematisieren. Bourdieu und Foucault betonen, dass es wichtig ist auf den Zusammenhang von Klasse und Körper einzugehen. Im folgenden daher ein paar Zitate aus Foucaults zentralem Werk „Sexualität und Wahrheit“. Die Bedeutung zur aktuellen Sarrazin-Debatte ist deutlich: (mehr…)




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