Tag-Archiv für 'bildungsbarrieren'

LehrerInnen urteilen leistungsgerechter als Eltern

Pressemitteilung des IDW Universität Mannheim, 29.07.2011 10:50
Mehr Bildungsgerechtigkeit durch bindende Lehrerempfehlungen zum Schulübertritt für Viertklässler

Die Abschaffung verbindlicher Übertrittsempfehlungen für Viertklässler verstärkt soziale Unterschiede, sagt der Mannheimer Sozialwissenschaftler Jörg Dollmann / Lehrer urteilen leistungsgerechter als Eltern
Wohin nach der Grundschule? Kinder, Eltern und Lehrkräfte stehen am Ende der vierten Klasse unter Entscheidungsdruck. Zahlreiche Bundesländer überlassen diese Entscheidung mittlerweile den Familien, die Lehrkräfte geben nur unverbindliche Ratschläge für eine Schulart. Auch Baden-Württemberg will die bindende Grundschulempfehlung nach dem vierten Schuljahr abschaffen – in Sachen Bildungsgerechtigkeit wäre dies allerdings ein Rückschritt. Das zeigt eine Studie des Sozialwissenschaftlers Dr. Jörg Dollmann vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) der Universität Mannheim. (mehr…)

Guttenbergs Arbeit war kein Summa Cum Laude

In der Tagesschau von heute heißt es zur Erklärung der Uni Bayreuth, dass Guttenberg vorsätzlich getäuscht habe:

Eine Mitverantwortung von Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle und des Zweitgutachters Rudolf Streitz sieht die Kommission nicht. Allerdings hätte die Benotung der Doktorarbeit mit dem Prädikat „summa cum laude“ einer ausführlicheren Erklärung bedurft, hieß es. Es sei nicht ersichtlich, welche hervorstechenden Thesen oder besonderen Ergebnisse der Arbeit die Vergabe der Höchstnote gerechtfertigt hätten.

Das heißt, selbst wenn die Dissertation von Guttenberg erarbeitet worden wäre, wäre das Resultat nicht mit einem „Summa Cum Laude“ zu bewerten gewesen. Auch dieser Umstand deutet auf eine Notenvergabe in Abhängigkeit von der Sozialen Herkunft hin. Warum auch sollten Professor_innen weniger Klassendünkel in ihre Bewertungspraxis einfließen lassen als Grundschullehrer_innen, die ja bekanntlich Arbeiterkinder in den Schulformempfehlungen benachteiligen.

11. Studiensurvey: Bildungsbenachteiligung bleibt unverändert

Das 11. Studiensurvey der AG Hochschulforschung der Uni Konstanz teilt in der Kurzmitteillung zum Kriterium Soziale Herkunft mit:

Für die Studienaufnahme ist sowohl eine gute Abiturnote als auch die akademische Herkunft von fast gleichem Gewicht. 2010 gehören 42% der Studierenden zum Kreis der Bildungsaufsteiger (kein akademisches Elternhaus); ihr Zugang an die Hochschulen hat sich kaum erweitert. An den Universitäten ist ihr Anteil weit geringer als an den Fachhochschulen.

Die Verwirklichung von Auslandsaktivitäten ist abhängig von der sozialen Herkunft. Besonderes Gewicht als Barriere haben Finanzierungsprobleme und Notwendigkeiten der Umorientierung.

Weitere Infos: Zentrale Ergebnisse des 11. Studiensurvey

Bildungstradition hält PraktikerInnen von Uni fern

Aus Böckler Impuls 02/2011 der Hans Böckler-Stiftung

Nur wenige gelangen über den zweiten oder dritten Bildungsweg an die Hochschule. Einer Öffnung der Unis für Menschen mit Berufserfahrung statt Abitur steht die deutsche Bildungstradition entgegen.
Wer die Regelschule ohne Abitur verlassen hat, hat es schwer, einen akademischen Abschluss zu erreichen. Nur knapp fünf Prozent der Studenten an Universitäten und Fachhochschulen haben ihre Studienberechtigung auf dem zweiten oder dritten Bildungsweg erworben. Also etwa das Abitur an einem Abendgymnasium nachgeholt oder eine Uni-Zulassung aufgrund ihrer praktischen Berufserfahrung bekommen. Eine bildungshistorische Studie verdeutlicht, was dem nachträglichen sozialen Aufstieg in akademische Kreise bisher im Wege steht. Vor allem ein tradierter Bildungsbegriff: Während praxisferne Allgemeinbildung hohes Ansehen genießt, wird Berufsbildung geringer eingestuft, so die Autorin Elisabeth Schwabe-Ruck.

Latein als Studienhürde

von Tobias Fabinger

Anfang Februar traf sich im AStA der Uni Münster eine Arbeitsgruppe, die „Latein als Studienhürde“ analysierte. Dabei wurden wichtige Feststellungen getroffen: Für viele Studiengänge, vor allem auch Lehramtstudiengänge mit geisteswissenschaftlichen Fächern, ist das Latinum notwendig. Nun stellt sich nach Meinung der Arbeitsgruppe, die vor allem aus Arbeiterkindern besteht, der Sachverhalt wie folgt dar: Akademikereltern wissen, dass man für viele Studiengänge das Latinum braucht. Für sie ist das selbstverständlich, Latein gilt zudem als Bildungssprache. In Arbeiterfamilien legen die Eltern dem Kind eher pragmatisch die Wahl einer neuen Fremdsprache nahe. (mehr…)




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