Tag-Archiv für 'bildungsbenachteiligung'

Klassismus? Was ist das denn?

Vortrag und Diskussion mit Andreas Kemper

Klassismus ist ein Begriff zur Bezeichnung der Diskriminierung von Personen aufgrund des tatsächlichen, vermuteten oder zugeschriebenen sozial- oder bildungspolitischen Status. Dieser individuellen, institutionellen und kulturellen Unterdrückung wird in Deutschland noch wenig Beachtung geschenkt.

Klassismus Was ist denn das

Der Begriff Klassismus beschreibt die Erfahrung persönlicher Diskrimnierung von Menscehn als gesellschaftliches, strukturelles Problem. Damit ergänzt und überschneidet er sich mit der Analyse von Rassismus, Sexismus und anderen Diskriminierungsformen.

Menschen in Armutsverhältnissen wird zum Beispiel gewalttätiges Verhalten oder Alkoholismus stereotyp unterstellt und medial inszeniert, obwohl diese Phänomene klassenübergreifend gleichermaßen vorkommen.

Kinderbetreuung im Nebenraum. Kennenlernen dazu ab 15 Uhr. Kontakt: gleichstellung@asta-bielefeld.de

Mittwoch, 25.07.2012, 16 Uhr Uni Bielefeld Raum S0 – 103

Soziale Ungleichheit bei der Wahl der Hochschule

Pressemitteilung des Hochschul Informationssystems (HIS) vom 03.11.2011

Vor dem Hintergrund der Bildungsexpansion wurde mit der Exzellenzinitiative und den Hochschulrankings ein Differenzierungsprozess angestoßen, der die Hochschullandschaft zunehmend in vermeintlich qualitativ „bessere“ und „schlechtere“ Standorte unterscheidet.

Der Leitartikel des HIS:Magazins 4|2011 „Soziale Ungleichheit bei der Wahl der Hochschule?“ widmet sich den Fragen: Wer studiert an einer renommierten Hochschule und welche Auswirkung haben die veränderten Rahmenbedingungen auf die herkunftsspezifischen Unterschiede bei der Hochschulwahl? (mehr…)

Erneut Massendemonstrationen in Chile

Junge Welt, 09.08.2011
Erneut Massendemonstration für Bildung in Chile. Diesmal ohne Festnahmen

Santiago de Chile. Ohne Zwischenfälle haben am Sonntag etwa 20000 Menschen in Santiago de Chile für eine Reform des Bildungssystems demonstriert. Am Donnerstag war die Polizei brutal gegen vom Innenministerium verbotene Protestkundgebungen im ganzen Land vorgegangen. Mehr als 800 Schüler und Studenten waren festgenommen worden. Weiter

WCPCA-Tagung 8.-10.07. Münster

Vom 8.-10.Juli 2011 findet die 15. Tagung der Working Class / Poverty Class Academics am Institut für Soziologie in Münster statt. Weitere Infos finden sich unter http://wcpca.wordpress.com
Tagungsplakat

Eurostudent-Studie: Höchste soziale Selektivität in Deutschland

Von Andreas Kemper

Wieder einmal wird die hohe soziale Selektivität des deutschen Bildungssystems bestätigt. Diesmal die des Hochschulsystems im Europäischen Vergleich. In Deutschland haben nur 2% der Studierenden Eltern mit einem „low-educational-background“ aber 69% der Studierenden Eltern mit einem „high-educational-background“. Die Vierte Eurostudent-Studie hat diesmal einen Schwerpunkt auf die soziale Herkunft und beleuchtet dieses Thema sehr differenziert. Europameister ist das deutsche Hochschulsystem noch in einer anderen Weise: es ist das einzige europäische Land, in dem mehr Männer als Frauen studiert. Der Handlungsbedarf ist also nach wie vor groß. Eine Studie von Holger und Tino Bargel vom letzten Jahr befasste sich mit den Ungleichheiten und Benachteiligungen aufgrung der sozialen Herkunft der Studierenden.
Wir haben für den 8.-10. Juli 2011 eine internationale Tagung organisiert, die sich explizit mit den Benachteiligungen im Hochschulsystem befassen wird, wo vor allem Selbsthilfe-Organisationen von Arbeiterkindern zu Wort kommen werden: http://wcpca.wordpress.com .

Guttenbergs Arbeit war kein Summa Cum Laude

In der Tagesschau von heute heißt es zur Erklärung der Uni Bayreuth, dass Guttenberg vorsätzlich getäuscht habe:

Eine Mitverantwortung von Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle und des Zweitgutachters Rudolf Streitz sieht die Kommission nicht. Allerdings hätte die Benotung der Doktorarbeit mit dem Prädikat „summa cum laude“ einer ausführlicheren Erklärung bedurft, hieß es. Es sei nicht ersichtlich, welche hervorstechenden Thesen oder besonderen Ergebnisse der Arbeit die Vergabe der Höchstnote gerechtfertigt hätten.

Das heißt, selbst wenn die Dissertation von Guttenberg erarbeitet worden wäre, wäre das Resultat nicht mit einem „Summa Cum Laude“ zu bewerten gewesen. Auch dieser Umstand deutet auf eine Notenvergabe in Abhängigkeit von der Sozialen Herkunft hin. Warum auch sollten Professor_innen weniger Klassendünkel in ihre Bewertungspraxis einfließen lassen als Grundschullehrer_innen, die ja bekanntlich Arbeiterkinder in den Schulformempfehlungen benachteiligen.

11. Studiensurvey: Bildungsbenachteiligung bleibt unverändert

Das 11. Studiensurvey der AG Hochschulforschung der Uni Konstanz teilt in der Kurzmitteillung zum Kriterium Soziale Herkunft mit:

Für die Studienaufnahme ist sowohl eine gute Abiturnote als auch die akademische Herkunft von fast gleichem Gewicht. 2010 gehören 42% der Studierenden zum Kreis der Bildungsaufsteiger (kein akademisches Elternhaus); ihr Zugang an die Hochschulen hat sich kaum erweitert. An den Universitäten ist ihr Anteil weit geringer als an den Fachhochschulen.

Die Verwirklichung von Auslandsaktivitäten ist abhängig von der sozialen Herkunft. Besonderes Gewicht als Barriere haben Finanzierungsprobleme und Notwendigkeiten der Umorientierung.

Weitere Infos: Zentrale Ergebnisse des 11. Studiensurvey

Das Netzwerk von „Arbeiterkindern“ aufbauen

Von Andreas Kemper

Ich hatte vor wenigen Tagen einen Aufruf geschrieben, dass „ein, zwei, viele Arbeiterkinder-Referate“ gegründet werden sollten. Dies ist nötig, um eine Vernetzung von „Arbeiterkindern“ zu ermöglichen, um das Diskriminierungsmerkmal „soziale Herkunft“ nachhaltig zu fokussieren und Klassismus zu bekämpfen. Es ist aber bereits auch jetzt schon möglich, die Vernetzung von Arbeiterkindern zu forcieren. Es wäre sinnvoll, wenn ihr das Dishwasher-Forum nutzt. Es ist sehr einfach, sich dort anzumelden und zu schreiben. Ein Forum ist kein Blog. D.h. ihr könnt auch einfach nur interessante Pressemitteilungen oder Artikel verlinken oder euch an Diskussionen beteiligen. Von da aus kann es dann weiter gehen.

Projekte diskutieren!

Es gibt eine Reihe von Ansätzen, mit denen sich konkret Bildungsbarrieren abschaffen ließen. Einige Projekte stehen auf der Dishwasher-Seite. Es gibt jetzt zudem die Möglichkeit, im Forum zum Abbau von Bildungsbarrieren diese Projekte zu diskutieren und eigene vorzuschlagen.

Die Eltern sind schuld?

Von Andreas Kemper

Wieder mal ein Artikel, der für die Bildungsbenachteiligung von Arbeiterkindern die Eltern verantwortlich macht. Diesmal in der Welt-Online. In Einzelfällen mag es zutreffen, dass Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder studieren. Aber was hier mal wieder stattfindet, ist eine pauschale Verunglimpfung der sogenannten „unteren“ Schichten: Drei von vier Arbeiterkindern scheuen ein Studium. Interessant sind auch die Leserkommentare: „Es ist einfach nur schlimm mit anzuschauen, wie Eltern aus ungebildeten Familien Ihren Kindern womöglich einen Teil der Zukunft verbauen.“ oder „Das liegt aber nicht am Schulsystem, das ist das Gleiche wie vor 20 Jahren, sondern das liegt an den Eltern und vor allem daran, dass viele nicht während des Studiums arbeiten wollen.“ Arbeiterkind.de strickt am Mythos „Eltern sind schuld“ mit. Schade.


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„Die Mittelschicht dreht durch“

Ein interssantes Interview vom Freitag (Jakob Augstein) mit Jakob Hein, Susanne Gaschke und Brigitte Thies-Böttcher zum „völlig überzogenem Leistungsdenken“ der Eltern aus der Mittelschicht. Die Mittelschicht dreht durch

Unicef: Deutschland und Österreich benachteiligen arme Kinder in der Bildung

Die UNICEF-Studie The Children Left Behind stellt Deutschland und Österreich nur mittelmäßige Zeugnisse aus. Zwar sei Deutschland eines der reichen Länder mit der geringsten Ungleichheit zwischen Kindern beim Gesundheitszustand. Nach wie vor gehören aber Deutschland und Österreich, deren Schulsysteme beide durch eine frühe soziale Selektion gekennzeichnet sind, zu den reichen Ländern mit den größten Unterschieden im Bildungsgrad zwischen Schülern armer und reicher Eltern. Im Bildungsbereich werden die „armen Kinder zurückgelassen“. Die UNICEF hierzu:

In drawing attention to the depth of disparities revealed, and in summarizing what is known about the consequences, it has argued that ‘falling behind’ is a critical issue not only for millions of individual children today but for the economic and social future of their nations tomorrow.




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