Tag-Archiv für 'diskriminierung'

EU-Journalistenpreis gegen Diskriminierung

Von Andreas Kemper

Zum achten Mal wird der EU-Journalistenpreis gegen Diskriminierung vergeben. Artikel, die in Magazinen oder online im Zeitraum vom 18. September 2010 und 10. November 2011 das Thema Diskriminierung mit europäischen Bezug zum Thema haben, können vorgeschlagen werden. Allerdings sind nur die Diskriminierungen als Thema erlaubt, die von den europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien abgedeckt sind. Also keine klassenspezifischen Diskriminierungsgründe (Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Armut, Bildungsbenachteiligung, Niedriglohnpolitik, …). Daher hier meine Idee: Schreibt Artikel zur klassenspezifischen Diskriminierung mit europäischen Bezug, die ebenfalls von einer der sechs offiziellen Diskriminierungsgründe handeln, intersektionell oder irgendwie anders. Wir können dann die Artikel gemeinsam einreichen.

Hier die Teilnahmebedingungen: EU-Journalistenpreis – Gemeinsam gegen Diskriminierung

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Political Correctness im Diskurs

Im gerade neu erschienenen Magazin Migrazine – „magazin von migrantinnen für alle“ ist ein Beitrag zum Thema PC enthalten, auf den wir hinweisen möchten:

Von Katrin Auer

Warum „Political Correctness“ im deutschsprachigen Raum noch nie etwas mit antidiskriminatorischer Sprachpolitik zu tun hatte.

[…]Anfang der 1990er wurde die PC-Debatte in den USA vollkommen von den Neokonservativen dominiert, als sie schließlich Europa erreichte. „Political Correctness“ tauchte also im öffentlichen deutschsprachigen Diskurs auf, nachdem der Begriff bereits eine inhaltliche Bedeutungsverschiebung erfahren hatte und von einem antifeministischen und rassistischen Backlash geprägt war. Auch hier wurde die Bezeichnung „politisch korrekt“ sofort von Rechtsextremen und Konservativen übernommen und ausschließlich als Schimpfwort eingesetzt.[…]

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Anti-Bias-Tage in Oldenburg 7-9.10.2011

Anti-Bias-Tage Oldenburg

Mitteilung aus Oldenburg:

„Die Anti-Bias-Tage widmen sich dem Anti-Bias-Ansatz und damit allen Menschen, die gegen Diskriminierung und gesellschaftliche Schieflagen (weiter) aktiv werden wollen. Im Rahmen der Tagung wollen wir eine Begegnung von Menschen mit unterschiedlichen Zugängen zum Ansatz ermöglichen. Wir wollen Projekte und Handlungsfelder der Anti-Bias-Arbeit sichtbar werden lassen und den Ansatz erlebbar und bekannter machen. Dies beinhaltet das Angebot, sich über Austausch, Solidarisierung und gemeinsame Perspektivarbeit in der Handlungsfähigkeit gegen Diskriminierung zu stärken. Dabei ist die leitende Idee der Tagung, die Anti-Diskriminierungsarbeit in diversen pädagogischen und politischen Arbeitsfeldern zu stärken, Mitstreiter_innen zu gewinnen und Akteur_innen zu vernetzen.“ (mehr…)

Diskriminierungsfreie Hochschule – Erster Projektbericht liegt vor

Wir hatten vor anderthalb Jahren interveniert, als die Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu Diskriminierung an Hochschulen aufgrund der im AGG genannten Diskriminierungsgründe forschen lassen wollte – also unter Ausschluss des Diskriminierungsmerkmals „Soziale Herkunft“. Im ersten Projektbericht ist die Soziale Herkunft nun enthalten.

„3.2.5 Soziale Herkunft
Ebenso wie das AGG und die Europäischen Richtlinien lassen auch die europäischen und amerikanischen Bundesgesetze den sozioökonomischen Aspekt im Kontext der Antidiskriminierungsgesetze außen vor. Dementsprechend rar sind spezielle Maßnahmen an den Hochschulen, die sich speziell der Herstellung von Chancengleichheit für einkommensschwache Hochschulmitglieder widmen. Auf der Ebene abstrakter Absichtserklärungen kann bei einigen Hochschulen jedoch festgestellt werden, dass der sozioökonomische Aspekt zum Teil gleichberechtigt neben anderen Diskriminierungsmerkmalen oder gesondert Erwähnung findet.“

Marxistische Diskriminierungshierarchie

Von Andreas Kemper

Karl Marx spricht bereits in seinen Frühschriften vom Vorrang der Arbeiteremanzipation im Kampf gegen alle Knechtschaftsverhältnisse, da diese nur „Modifikationen und Konsequenzen dieses Verhältnisses“ seien:

„Aus dem Verhältnis der entfremdeten Arbeit zum Privateigentum folgt ferner, daß die Emanzipation der Gesellschaft vom Privateigentum etc., von der Knechtschaft, in der politischen Form der Arbeiteremanzipation sich ausspricht, nicht als wenn es sich nur um ihre Emanzipation handelte, sondern weil in ihrer Emanzipation die allgemein menschliche enthalten ist, diese ist aber darin enthalten, weil die ganze menschliche Knechtschaft in dem Verhältnis des Arbeiters Zur Produktion involviert ist und alle Knechtschaftsverhältnisse nur Modifikationen und Konsequenzen dieses Verhältnisses sind.“ Karl Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte, 1. Manuskript

Gegen diese Analyse wandten sich spätestens seit den 1960er Jahren verschiedene Bewegungen, vor allem die Frauenbewegung. (mehr…)

Das Netzwerk von „Arbeiterkindern“ aufbauen

Von Andreas Kemper

Ich hatte vor wenigen Tagen einen Aufruf geschrieben, dass „ein, zwei, viele Arbeiterkinder-Referate“ gegründet werden sollten. Dies ist nötig, um eine Vernetzung von „Arbeiterkindern“ zu ermöglichen, um das Diskriminierungsmerkmal „soziale Herkunft“ nachhaltig zu fokussieren und Klassismus zu bekämpfen. Es ist aber bereits auch jetzt schon möglich, die Vernetzung von Arbeiterkindern zu forcieren. Es wäre sinnvoll, wenn ihr das Dishwasher-Forum nutzt. Es ist sehr einfach, sich dort anzumelden und zu schreiben. Ein Forum ist kein Blog. D.h. ihr könnt auch einfach nur interessante Pressemitteilungen oder Artikel verlinken oder euch an Diskussionen beteiligen. Von da aus kann es dann weiter gehen.

Scoring: Diskriminierung auf Grund des sozialen Umfeldes

Von Olaf Götze

Dass eine einwandfreie SCHUFA – Auskunft heutzutage notwendig ist, um einen Telefon- bzw. Handyvertrag abzuschließen ist allgemein bekannt. Demnach sollte man nicht auf überzogene Konten, offene Kredite, ungezahlte Rechnungen oder gar gerichtliche Mahnverfahren blicken, wenn man gewisse Verträge abschließen möchte. Dann wird zunächst die Bonität mittels Schufa-Auskunft geprüft. Das mag im Einzelnen ungerechtfertigt sein, ist jedoch allgemein akzeptiert. Mit den Folgen für den von allen Kommunikationswegen abgeschnittenen Menschen muss dieser selbst fertig werden – auch dann wenn er unverschuldet in diese Situation geraten und vielleicht auch auf das Telefon in besonderem Maße angewiesen ist. (mehr…)

Unwort des Jahres 2010 gesucht

Von Andreas Kemper
Noch bis zum 07. Januar können Vorschläge für das „Unwort des Jahres“ eingereicht werden. Im letzten Jahr fand gegenüber Menschen aus den sogenannten „unteren Schichten“ ein selten zuvor erlebtes Bashing mit einem Höhepunkt von Sarrazins Veröffentlichung „Deutschland schafft sich ab“ und den entsprechenden Kommentaren.
Falls Euch bestimmte Wörter aufgefallen sind, die in besonderer Weise abwerten, teilt das hier mit. Wir werden dann zum Stichtag noch eine Liste einreichen. (mehr…)

Standesdünkel, Klassismus oder Sozialrassismus?

Von Andreas Kemper

Der 9. Band aus der Reihe „Deutsche Zustände“ kommentiert wieder ausführlich die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt zur „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“. Diesmal wird die Abwertung von Obdachlosen und Langzeitarbeitslosen besonders hervorgehoben und es gibt ein Kapitel zur Elite. Auch in diesem Band werden eine Reihe von Begriffen vorgeschlagen, um die Abwertung von Menschen aus der sogenannten „Unterschicht“ zu bezeichnen. Es gibt da aber noch keine klare Linie, wie auch sonst werden die Begriffe durcheinander geworfen. Zudem warnen antirassistische Aktivist_innen davor, Begriffe wie Klassenrassismus oder Sozialrassismus zu benutzen, weil hierdurch die Benennung von alltagsrassistischen Haltungen / Handlungen erschwert wird.
Der Dishwasher hat eine Umfrage gestartet, die ihr in der rechten Spalte findet, ihr müsst aber erst oben auf „Artikel“ klicken, damit ihr auf die Hauptseite kommt.
Diskutieren könnt ihr hier in den Kommentaren…

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„Vereisung des sozialen Klimas“

Im neunten Bericht der Langzeitstudie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ wird konstatiert, dass insbesondere Reiche Arme abwerten. Dem Tagesspiegel zufolge würde die Hälfte der Nettoverdiener mit 2.600 Euro aufwärts Langzeitarbeitslose abwerten, die taz zitierte Heitmeyer mit den Worten: „eine zunehmend rohe Bürgerlichkeit“. Der exakte Begriff für diese Abwertung ist „Klassismus“. Geringverdiener seien gegenüber Nettoverdiener solidarischer eingestellt. Während der Wirtschaftskrise sei bei den Besserverdienenden, die in der Studie 20% der Bevölkerung ausmachen, auch die Islamfeindlichkeit und der Rechtspopulismus gewachsen. Auch focus-online gibt Wilhelm Heitmeyer wieder und titelt mit: „Krise macht viele Besserverdiener zu Sozialdarwinisten“. Dort heißt es: „‘In der Krise haben viele Besserverdiener erstmals gemerkt, was finanzielle Einbußen bedeuten‘, sagte Studienleiter Wilhelm Heitmeyer. Dadurch seien mühsam erlernte soziale Normen und Werte in Vergessenheit geraten, der Sozialdarwinismus habe zugenommen.“ Und hier noch die Tagesschau zum Thema.
Wir werden demnächst ausführlicher über die Studie informieren.
Vor wenigen Tagen hatten wir über eine kanadisch/kalifornische Studie berichtet, die bei Gutverdienenden mit akademischen Hintergrund ein Defizit an Einfühlungsvermögen festgestellt hatte.

Der neue Hass auf Homosexuelle

Als Arbeiterkinder haben wir der Schwulen- und Lesbenbewegung viel zu verdanken: die Etablierung und Weiterentwicklung einer sensiblen Politikform, in der der Alltag im Mittelpunkt steht, den Begriff Klassismus, usw. Es ist mir unverständlich und es macht mich unendlich traurig und auch wütend, dass noch immer und wieder Heterosexismus zur Tagesordnung gehört. Ich möchte hier auf einen Artikel von Tobias Trapp verweisen, der im „humanistischen Pressedienst“ veröffentlicht wurde.

Gewalt, Hass, Mobbing, politische Hetze, Forderung von Berufsverboten: Je stärker die Rechte von Lesben und Schwulen institutionell verankert werden, desto aggressiver reagieren ihre Gegner. Am schlimmsten trifft es homosexuelle Teenager, deren Suizidrate um ein Vielfaches höher ist als die ihrer Altersgenossen. Manche befürchten, Amerika fiele in die Reagan-Ära zurück. Zum Artikel

Birth, not Worth

Von Andreas Kemper

In Deutschland separiert sich die Mittelschicht spätestens dann von ärmeren Familien, wenn die Kinder schulpflichtig sind. Die Einschulung führt oft dazu, dass Mittelschichts-Eltern in andere Stadtteile ziehen. In Großbritannien scheint es ein ähnliches Muster zu geben, wie dem Artikel „Endstation Kindergarten“ von Ralf Sotschek aus der taz vom 28.09.2010 zu entnehmen ist. Die Diskriminierung aufgrund der Sozialen Herkunft ist deutlich und trotz Wissen um diese Diskriminierung ändert sich nichts zum Positiven. Im Gegenteil. Die Europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien müssen dringend um diese klassenspezifischen Aspekte ergänzt werden.

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Bessere Noten für Maximilian und Charlotte?

Pressemitteilung der Universität Oldenburg, 24.08.2010

Masterarbeit zu Vornamen beschäftigt sich mit der Notengebung

Oldenburg. „Vornamengebundene Vorurteile von Grundschullehrerinnen und – lehrern“, so lautet der Titel einer Masterarbeit von Kirsten Becker, Pädagogikstudentin an der Universität Oldenburg, die den Zusammenhang von Vornamen und Notengebung analysiert. Becker untersuchte, ob die Nennung verschiedener Vornamen bei derselben Schülerleistung die Bewertung der LehrerInnen beeinflusst. „Bekommen Schüler bessere Noten, nur weil sie Maximilian und Charlotte anstatt Kevin und Celina heißen?“ verdeutlicht Prof. Dr. Astrid Kaiser, Hochschullehrerin für Didaktik des Sachunterrichts und Betreuerin der Masterarbeit, den Forschungsansatz. (mehr…)

Brauchen wir proletarische Elternräte?

Von Andreas Kemper

Ich habe mir gerade noch einmal die Studie über Wiesbadener Grundschulen angeschaut, die bestätigt, dass Lehrer_innen sich in den Schulformempfehlungen gegenüber Arbeiterkindern diskrimierend verhalten.
Bei dieser antiquierten Diskriminierung gegenüber Arbeiterkindern stellt sich die Frage, ob nicht eine Idee aus der Weimarer Republik aufgegriffen werden sollte: Proletarische Elternräte, die bei diesen ungerechten Schulformempfehlungen und der diskriminierenden Praxis korrigierend eingreifen könnten. Schließlich zeigen Studien wie die aus Wiesbaden, dass Arbeiter noch am gerechtesten die Leistungen der Schüler_innen einschätzen können. Hier die entsprechenden Ergebnisse zu den Wiesbadener Schulen: (mehr…)

Übereinkommen gegen Diskriminierung im Unterrichtswesen

Vor fünfzig Jahren, während der Tagung der Generalkonferenz der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, wurde ein Übereinkommen gegen Diskriminierung im Unterrichtswesen erzielt. Als Diskriminierung galten Maßnahmen, die

  • a) einer Person oder Personengruppe den Zugang zum Unterricht – gleichviel welcher Art oder Stufe – zu verwehren,
  • b) eine Person oder Personengruppe auf einen niedrigen Bildungsstand zu beschränken,
  • c) für Personen oder Personengruppen getrennte Unterrichtssysteme oder -anstalten zu schaffen oder zu unterhalten

dies Diskriminierungsverbot galt explizit auch für eine auf sozialen Herkunft, den wirtschaftlichen Verhältnissen oder der Geburt beruhende Unterscheidung. Vierzig Jahre später beschloss die EU in den Amsterdamer Verträgen, die soziale Herkunft als Diskriminierungsgrund aus dem Katalog der Antidiskriminierungsrichtlinien zu streichen. Zahlreiche Studien belegen, dass heute noch immer ungebrochen eine Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft im deutschen Bildungssystem stattfindet. (mehr…)




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