Tag-Archiv für 'dissertation'

Guttenberg: Vorerst gescheitert

Von Andreas Kemper

Bei einigen Dingen erübrigt sich die Kommentierung, sie ist auch kaum möglich, weil diese Dinge sprachlos machen. Bourdieu nennt es „The sense of one’s place“, den Sinn für seinen Platz. Guttenbergs Platz ist oben. Er will 2013 zurück in die Politik. Mein Tip: Es gibt einen FDP-Putsch, Guttenberg lernt in den Vereinigten Staaten schon mal bei der Tea Party und wird mit Unterstützung von Henkel die rechtskonservative Partei „F.D.P. – Die Freien“ nach Haiders und Wilders Vorbild anführen. Dabei unterstelle ich Guttenberg gar keine rechte Gesinnung. Jemand der so dreist eine Doktorarbeit plaggiiert, alles bis zum letzten bestreitet, und nach einer Pause meint, sein Platz sei oben, der hat keine Werte außer Karriere. Und diese Karriere wird ihm garantiert durch die Leute, die schon lange an einer Haider/Wilders-Partei stricken, denen aber eine entsprechende Figur fehlte.

Sachens Kultusminister unter Plagiatsverdacht

Auch Sachsens Kultusminister, Roland Wöller (CDU), wird verdächtigt, Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. So berichtet die aktuelle ZEIT-online in dem Artikel „Wissenschaft Tacheles, Herr Doktor!“, dass bereits 2007 darauf hingewiesen wurde, dass Teile der Doktorarbeit von 2002 Teilen einer Magisterarbeit von Bernd Adolph glichen.

Es handelt sich nun um den zweiten Kultusminister, der unter Plagiatsverdacht steht. Nach welchen Kriterien werden eigentlich Kultusminister bestimmt? Und was sagt uns das in Bezug auf Uni-Bluff?

Was soll ein Doktorgrad?

Von Andreas Kemper

Was soll ein Doktorgrad? Warum gibt es ihn? Pierre Bourdieu spricht von „institutionalisiertem kulturellen Kapital“. Der Doktorgrad gibt dem Habitus, bzw. dem „inkorporierten sozialen Kapital“ eine institutionelle Wahrheit: man ist Doktor. In Deutschland, Österreich und Tschechien kann der Doktorgrad im Personalausweis geführt werden (in allen anderen Staaten allerdings nicht), was nocheinmal mehr unterstreicht, das es sich bei Doktor_innen vor allem in Deutschland um „akademischen Adel“ handelt. Dieser Grad ist notwendig für die Stellenbesetzung. Durch die aufgeflogenen Plagiate von Spitzenpolitiker_innen in den letzten Jahren gerät diese Titelhuberei allerdings in die Kritik. Doch dies ist nur die eine Seite. Spannend ist die Frage: was ist denn unter „dem Neuen“ zu verstehen, welches eine Dissertation von anderen Arbeiten unterscheidet. Und was legitimiert, von Doktor_innen zu sprechen, vom Standpunkt akademischer/studierender Arbeiterkinder betrachtet? Gramsci spricht von „organischen Intellektuellen“. Mit meiner Dissertation möchte ich tatsächlich Neues in die Welt bringen. Ich würde mit Euch gerne diese Fragen diskutieren.

Hat der Vorsitzende der Kultusminister-Konferenz plagiiert?

Spiegel Online, 06.07.2011:

„Der niedersächsische Kultusminister und derzeitige Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Bernd Althusmann (CDU), soll nach einem Bericht der Wochenzeitung „Zeit“ beim Verfassen seiner Doktorarbeit gegen wissenschaftliche Regeln verstoßen haben.“

Das müsste nach unseren Zählungen nun der sechste zehnte prominente Politiker aus den die Regierung stellenden Parteien CDU, CSU und FDP sein, dem vorgeworfen wird, bei der Doktorarbeit plagiiert zu haben: (mehr…)

Aufgeschnappt: „Doktoranden in schwierigen Lebenslagen … von der Promotion abraten“

Gelesen in der FAZ.net 08.05.2011 Heike Schmoll: Bayreuths Urteil. Die Plagiatsaffäre und die Folgen

„Allerdings müssen Professoren auch öfter den Mut haben, Doktoranden in schwierigen Lebenslagen oder mit hohen Verpflichtungen in Beruf und Familie von der Promotion abzuraten. Eine Dissertation, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügen will, lässt sich nicht nebenher schreiben, womöglich über eine lange Reihe von Jahren hinweg.“

War ja klar, wer die Plagiate der Oberschicht auszubaden hat: Doktoranden in schwierigen Lebenslagen.

Guttenbergs Arbeit war kein Summa Cum Laude

In der Tagesschau von heute heißt es zur Erklärung der Uni Bayreuth, dass Guttenberg vorsätzlich getäuscht habe:

Eine Mitverantwortung von Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle und des Zweitgutachters Rudolf Streitz sieht die Kommission nicht. Allerdings hätte die Benotung der Doktorarbeit mit dem Prädikat „summa cum laude“ einer ausführlicheren Erklärung bedurft, hieß es. Es sei nicht ersichtlich, welche hervorstechenden Thesen oder besonderen Ergebnisse der Arbeit die Vergabe der Höchstnote gerechtfertigt hätten.

Das heißt, selbst wenn die Dissertation von Guttenberg erarbeitet worden wäre, wäre das Resultat nicht mit einem „Summa Cum Laude“ zu bewerten gewesen. Auch dieser Umstand deutet auf eine Notenvergabe in Abhängigkeit von der Sozialen Herkunft hin. Warum auch sollten Professor_innen weniger Klassendünkel in ihre Bewertungspraxis einfließen lassen als Grundschullehrer_innen, die ja bekanntlich Arbeiterkinder in den Schulformempfehlungen benachteiligen.

Grafen müssen jetzt schon für Barone arbeiten

Die Nachrichtenagenturen vermelden heute: Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg hat einen Anwalt, Alexander Graf von Kalckreuth, der die Vorabveröffentlichung der Ergebnisse der Kommission der Uni Bayreuth zur Überprüfung von Guttenbergs Doktorarbeit scharf kritisiert. Ja, wo gibts denn sowas? Gelten die feudalistischen Zustände gar nicht mehr? Arbeiten jetzt schon Grafen für Freiherren? Und demnächst Herzöge für Arbeiterkinder?
Sorry, momentan bin ich nur noch am staunen.

Gericht verbietet Werbung von Doktor-Ghostwriter

Einem Bericht der Welt-Online (17.02.2011) zufolge hat ein Gericht eine Werbung verboten, wo sich jemand als Marktführer im Bereich des „wissenschaftlichen Ghostwriting“ pries. Er verlangte je nach Umfang für eine Dissertation zwischen 10.000 und 20.000 Euro.

Soll Guttenberg zurücktreten?

Hier eine Umfrage im Forum: Dishwasher-Forum: Soll Guttenberg zurücktreten?

Minister zu Guttenberg ist Teil des Uni-Bluff

Von Olaf Götze

Minister zu Guttenberg ist Teil des Uni-Bluff

Die Enthüllung über die in Teilen plagiierte Doktorarbeit des Bundesverteidigungsministers Theodor zu Guttenberg stellen die Spitze des Eisberges in einem sozial selektiven Hochschulsystem dar. Sie deckt auf, wie in diesem Land unrechtmässig und übervorteilt die Hochschule auf der Karriereleiter nach Oben durchlaufen werden kann. (mehr…)




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