Tag-Archiv für 'elite'

Ist Einfühlungsvermögen klassenabhängig?

Von Andreas Kemper

Eine Studie von kalifornischen und kanadischen WissenschaftlerInnen entdeckte Korrelationen zwischen der Klassenzugehörigkeit und dem Einfühlungsvermögen: Angehöroge einer niedrigen Klasse könnten sich demnach besser in andre hineinfühlen als Angehörige einer höheren Klasse. Auf Telepolis diskutiert Florian Rötzer die Studie unter dem Titel „Sind die Reichen gefühlsblind?“. Auch an Hochschulen gibt es ähnliche Überschneidungen. Dort, wo das Klima zwischen Profs und Studierenden und das Klima unter Studierenden besser ist, studieren mehr Arbeiterkinder. Dies sagt allerdings noch nichts über Ursache und Wirkung aus. (mehr…)

Postdemokratie

Von Andreas Kemper

Michael Klundt, Professor für Kinderpolitik am Fachbereich für Angewandte Humanwissenschaften der Hochschule Magdeburg-Stendal, geht in einem Artikel in der Jungen Welt („Merkels Raubzug“, 26.11.2010) auf das 2008 erschienene Buch „Postdemokratie“ des britischen Soziologen Colin Crouch ein. Zitat: „Während die demokratischen Institutionen formal weiterhin vollkommen intakt sind […], entwickeln sich politische Verfahren und die Regierungen zunehmend in eine Richtung zurück, die typisch war für vordemokratische Zeiten: Der Einfluß privilegierter Eliten nimmt zu […]“ (Crouch 2008, S.13). Was haltet ihr von der These?

Reiche in der Schweiz – Unterschiede seit der Geburt

Im Artikel „Eine eigene Welt, vom Gebärsaal bis zur ­Altersresidenz“ in der Wochenzeitung (WOZ) vom 21.10.2010 findet sich eine Vorabveröffentlichung von Ueli Mäders, Sarah Schilligers und Ganga Jey Aratnams Studie „Wie Reiche denken und lenken“, die heute veröffentlicht wird.

Die Sonderbehandlung beginnt schon in den ersten Sekunden des Lebens: Zwar kommen alle Kinder nackt zur Welt. Aber nicht alle Kinder erblicken das erste Licht der Welt in einer Gebärsaal-Suite der Zürcher Privatklinik Hirslanden, wo für einen «stilvollen Start ins Leben» gesorgt ist («NZZ am Sonntag»). Seeblick, Gourmetküche, Hi-Fi-Anlage und Designermöbel zeichnen die Suiten aus, im eigentlichen Gebärzimmer steht ein Designer-Gebärstuhl mit Massagefunktion und indirekter Bodenbeleuchtung, und die Scheren, Zangen, Saugglocken und Putztücher sind diskret in der Wand verborgen – möglichst wenig soll man von der Medizin sehen. Weiter

Eishockey und der Mythos der Meritokratie

Im Folgenden findet Ihr die Übersetzung des Artikel „Hockey and Myth of Meritocrazy“ von Heide Frymiller. Sie ist derzeitige Präsidentin der „Working Class Students Union“ der University of Wisconsin – Madison, USA. Wir haben vereinbart gegenseitig Blogartikel zu übersetzen und zu verbreiten. Hier nun der erste Artikel:

Eishockey und der Mythos der Meritokratie


Ich habe gerade eine der neuesten Ergänzungen unserer WCSU Bibliothek, Outliers: The Story of Success, gelesen . Ich empfehle das Buch sehr, vor allem für jeden, der an einem kritischen Denken interessiert ist über den Prozess der sozialen Ordnung und über tief verankerte kulturelle Vermächtnisse und wie diese mit sozialer Klasse zusammenhängen. (mehr…)

Einige Gedanken zur Sarrazin-Debatte, zur politischen Elite und zur Bedeutung kritischen Denkens

von Tobias Fabinger

Sarrazin beurteilt die Menschen vornehmlich nach ihrer ökonomischen Nützlichkeit und ob seine Nützlichkeitsanalyse rein volkswirtschaftlich gesehen stimmt, soll hier nicht debattiert werden, es spricht eher sehr viel dagegen, da beispielsweise viele türkische Mitbürger unternehmerisch tätig sind und Arbeitsplätze schaffen. Analysiert werden muss sein Denken, welches man als eine „instrumentelle ökonomische Vernunft“ bezeichnen könnte. Er schaut mit dem Blick des Volkswirtes auf die Verwertbarkeit und Nützlichkeit von Menschen. Dieses Denken trägt die Notwendigkeit der Selektion schon in sich – eine Aufteilung in produktive und nicht produktive Menschen ist ja sein Ausgangspunkt. Dabei kommt es zu einem Umschlag von intrumenteller, eingeschränkter, partieller Nützlichkeitsvorstellung in Wahn. Ein Vorgang, der bereits in vielen Schriften der so genannten Kritischen Theorie als Entwicklungslogik der „instrumentellen Vernunft“ gesehen wird.

Vom ökonomischen Nutzen zum biologistischen Wahn

Das wahnhafte von Sarrazins Argumentation liegt darin, von der Ökonomie zur Biologie überzugehen. Nun werden auch die Gene darauf hin befragt, ob sie ökonomisch verwertbare Intelligenz hervorbingen. Diese scheinbare Rationalität ist hochgradig irrational, denn die Zuschreibung gegenüber „Intelligenten“, Verwertbaren und weniger Intelligenten und weniger Verwertbaren ist schlicht und einfach eine Konstruktion – irgendjemand muss dafür herhalten, dass es wirtschaftliche und soziale Probleme gibt und das sind nun die Moslems und „Unterschichten“. Beide vererben angeblich sozial gesehen fehlende Integrationsbereitschaft und fehlenden Leistungswillen, aber auch, wie Sarrazin es sich wohl vorstellt, biologisch, sonst würde er ja nicht über die Gene sprechen. Diese Sortierung der Menschen ist das Wahnhafte an seiner Argumentation. Denn die scheinbar „wissenschaftliche“ und „rationale“ Kategorisierung von Menschengruppen bildet eine Oberfläche für Sündenbock-Projektionen, die sich letztlich aus abgespaltenen irrationalen psychischen Antrieben speisen. (mehr…)

Interview mit Michael Hartmann zu Bologna und Protesten

Michael Hartmann, Eliteforscher aus Darmstadt, ist zu einem Podiumsdiskussion am 13. März im Rahmen des „Bologna-Burns-Gipfel“ nach Wien eingeladen worden. Im Vorfeld fand ein Interview statt zu Fragen der sozialen Selektion und der Elitenreproduktion, Unterschieden zwischen deutschen und österreichischen Unis – auch hinsichtlich der jüngsten Protestaktionen – und den Möglichkeiten politisch aktiv zu arbeiten. Auf der Seite unsereuni.tv finden sich weitere spannende Videos zum Thema.

Kampf um Schulreform: Eliten wollen unter sich bleiben

Ein wenig verspätet der Link zu einer Panorama-Sendung mit dem Titel: Eliten wollen unter sich bleiben vom 18. Februar 2010. Es werden Hintergründe zur Elterninitiative „Wir wollen lernen“ u.a. mit O-Tönen von Eltern dargestellt und mit Kommentaren von Michael Hartmann, Elitenforscher an der TU Darmstadt, und Ernst Rössner, Bildungsforscher am Institut für Schulentwicklungsforschung Dortmund versehen.

Elitäre Internet-Netzwerke

Die Zeit vom 2.2.2010 berichtet über verschiedene elitäre Internet-Netzwerke, in die nur bestimmte gutbürgerliche Menschen hereinkommen. Einige kosten 350,- Euro jährlich und Bewerber_innen werden zuvor ausführlich geprüft. Zu anderen wird man nur eingeladen und kann sich selber gar nicht bewerben. In dem Zeit-Artikel wird auch auf eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) verwiesen: „Ihr zufolge kommen 30 bis 40 Prozent aller Jobsuchenden heute durch persönliche Verbindungen an einen Arbeitsplatz.“

Stipendien: Elitenreproduktion statt Leistungsförderung

von Olaf Götze

Das deutsche Stipendiensystem trägt zur sozialen Selektion bei, und nicht zu deren Überwindung

Der Radsport hat uns gezeigt, was niemand offen aussprechen wollte, aber alle bereits wussten: Nachdem der Verein teuer verkauft wurde und alle Sportler nur noch mit dicken Werbebanner durch die Gegend fuhren, ist nun auch klar: Nur wer gedopt war, schaffte es auch auf das Siegertreppchen.

Es ist bezeichnend für die Leistungsförderung in deutschen Landen. Nicht in der Breitenförderung sieht man den Gewinn, sondern in der Produktion eine kleinen Elite. Das gilt auch für das deutsche Stipendiensystem. Und tatsächlich, auch die Forschungselite ist gedopt. Wie ist es sonst möglich, dass Frauen und Studierende aus bildungsfernen Schichten deutlich seltener ein Stipendium erhalten als andere? (mehr…)




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