Tag-Archiv für 'geschichte'

Zweigliedriges Schulsystem – eine konservative Forderung aus den 1960er Jahren

Von Andreas Kemper

Am 27.06.2011 beschloss der Bundesvorstand der CDU das Programm „Bildungsrepublik Deutschland“, in dem es heißt:

„[…] treten wir für eine Reduzierung der Schulformen und die Einführung des Zwei-Wege-Modells in allen Ländern ein: Gymnasium und Oberschule. Neben dem Gymnasium ist die Oberschule ein weiterer und gleichwertiger Bildungsweg, der Hauptschul- und Realschulgang miteinander verbindet. Er ermöglicht beide Bildungswege und -abschlüsse und öffnet einen Weg entweder in die berufliche Bildung oder zur allgemeinen Hochschulreife. Daneben respektieren wir integrative Systeme und funktionierende Haupt- und Realschulen vor Ort, wo dies dem Elternwillen entspricht.[…]Bildungsrepublik Deutschland

Diese als modern dargestellte Forderung gehört bereits seit 50 Jahren zum Repertoir konservativer Schulpolitik (Helmut Schelsky: Anpassung oder Widerstand? Soziologische Bedenken zur Schulreform, Heidelberg 1961). Allerdings scheinen die Argumentationen Schelskys vor exakt einem halben Jahrhundert fortschrittlicher zu sein, als die des CDU-Bundesvorstandes. Der CDU geht es bei der Zusammenlegung von Haupt- und Realschule um zwei Ziele: Bewältigung demografischer Probleme und Ermöglichung eines verbindlichen Bildungskanons. (mehr…)

Übereinkommen gegen Diskriminierung im Unterrichtswesen

Vor fünfzig Jahren, während der Tagung der Generalkonferenz der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, wurde ein Übereinkommen gegen Diskriminierung im Unterrichtswesen erzielt. Als Diskriminierung galten Maßnahmen, die

  • a) einer Person oder Personengruppe den Zugang zum Unterricht – gleichviel welcher Art oder Stufe – zu verwehren,
  • b) eine Person oder Personengruppe auf einen niedrigen Bildungsstand zu beschränken,
  • c) für Personen oder Personengruppen getrennte Unterrichtssysteme oder -anstalten zu schaffen oder zu unterhalten

dies Diskriminierungsverbot galt explizit auch für eine auf sozialen Herkunft, den wirtschaftlichen Verhältnissen oder der Geburt beruhende Unterscheidung. Vierzig Jahre später beschloss die EU in den Amsterdamer Verträgen, die soziale Herkunft als Diskriminierungsgrund aus dem Katalog der Antidiskriminierungsrichtlinien zu streichen. Zahlreiche Studien belegen, dass heute noch immer ungebrochen eine Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft im deutschen Bildungssystem stattfindet. (mehr…)

Erfahrungsbericht: „Die Bauernstimme“ oder „Schulden macht man nicht“

von Bernd Hüttner

Die Rüben- und Kartoffelernte war zu meiner Kindheit ein gesellschaftliches Ereignis, denn eine große Gruppe von Menschen ist daran beteiligt, die Oma, Nachbarinnen und deren Kinder arbeiteten gemeinsam auf dem Acker. Die Kartoffeln werden nach Größe sortiert, immer wieder werden die Körbe weiter vorgerückt, das trockene Kraut vom Opa auf dem Feld verbrannt, was diesen beißenden, nebligen Qualm erzeugt. Abends, wenn es schon ziemlich kalt und auch schon fast dunkel ist, fährt man auf dem Wagen nach Hause. Nach dem Vesper werden die Kartoffeln oder die Rüben noch von uns Kindern im Licht der einzigen Glühbirne des Kellers abgeladen, während die Erwachsenen im Stall sind.
Regelmäßig wurde geschlachtet. Das Schwein wird in einem Holzbottich enthaart und abgeschabt, dann wird es am Frontlader aufgehängt und zerteilt. Die Augen kullern über den Hof. Dann stank die ganze Küche Tage lang nach Fett. Ekelhaft.
Die ganze Familie ist beim Heu machen. Es ist drückend heiß und die “Bremsen” sind groß. Welche Geräte oder Maschinen wir dabei haben, weiß ich leider nicht mehr, (mehr…)

Proletarische Elternräte

In der Weimarer Republik existierten „Proletarische Elternräte“, die sich für eine arbeiterkinderfreundliche Schulpolitik einsetzten. 1920 wurden in den „Leitsätze für die Arbeit in den Elternbeiräten“ sechs Forderungen aufgestellt: (mehr…)




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