Tag-Archiv für 'gymnasialempfehlung'

Herkunft zensiert

Benotung und Schulempfehlung fördern Chancenungleichheit in der Bildung: Neue Studie im Auftrag der Vodafone Stiftung untersucht Verhältnis von Leistungsdiagnostik und sozialer Ungleichheit an Schulen

Eine neue Studie hat die verschiedenen Herkunftseffekte für den Übergang zum Gymnasium untersucht und vorangegangene Studie bestätigt, die eine massive Diskriminierung von Arbeiterkindern belegen. In der von der Vodafone Stiftung finanzierten Studie „Herkunft zensiert?“ wurden vier Herkunftseffekte untersucht, die beim Übergang zum Gymnasium kulminieren:
1.unterschiedliche Leistung aufgrund des primären Effekts (Arbeiter- und Akadedmikerkinder stehen unterschiedliche Ressourcen zur Verfügung),
2. unterschiedliche Benotung der gleichen Leistung durch Lehrkräfte
3. unterschiedliche Gymnasialempfehlung der Lehrkräfte bei gleichen Noten
4. unterschiedliche Präferenzen der Eltern je nach Status (mehr…)

LehrerInnen urteilen leistungsgerechter als Eltern

Pressemitteilung des IDW Universität Mannheim, 29.07.2011 10:50
Mehr Bildungsgerechtigkeit durch bindende Lehrerempfehlungen zum Schulübertritt für Viertklässler

Die Abschaffung verbindlicher Übertrittsempfehlungen für Viertklässler verstärkt soziale Unterschiede, sagt der Mannheimer Sozialwissenschaftler Jörg Dollmann / Lehrer urteilen leistungsgerechter als Eltern
Wohin nach der Grundschule? Kinder, Eltern und Lehrkräfte stehen am Ende der vierten Klasse unter Entscheidungsdruck. Zahlreiche Bundesländer überlassen diese Entscheidung mittlerweile den Familien, die Lehrkräfte geben nur unverbindliche Ratschläge für eine Schulart. Auch Baden-Württemberg will die bindende Grundschulempfehlung nach dem vierten Schuljahr abschaffen – in Sachen Bildungsgerechtigkeit wäre dies allerdings ein Rückschritt. Das zeigt eine Studie des Sozialwissenschaftlers Dr. Jörg Dollmann vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) der Universität Mannheim. (mehr…)

Frühe Selektion plus Elternwille gleich Soziale Selektion

Von Andreas Kemper
Hier der Link zum Artikel „Elternwunsch statt guter Noten“ von Thomas Vitzthum in der Welt Online, 17.04.2011

Bald entscheiden fast überall Mutter und Vater, ob das Kind aufs Gymnasium geht. Die soziale Auslese wird dadurch weiter befördert.

Es ist irritierend, dass zum einen eine frühe Selektivität besteht, die mit Begabungsunterschieden legitimiert wird, dass aber gleichzeitig die Kriterien zur Messung dieser Unterschiede abgeschafft werden.
Lehrer_innen sind sozial selektiv, Arbeiterkinder müssen ein ganzes Schuljahr besser sein als Akademikerkinder, um eine Gymnasialempfehlung zu erhalten. Über 80% der Akademikerkinder mit einem Notenschnitt von 2,5 erhalten eine Gymnasialempfehlung, aber nur ein Drittel der Nicht-Akademikerkinder mit dem gleichen Notenschnitt.
Das Problem: Eltern sind noch selektiver. Arbeiter_innen orientieren sich an der klassistischen Meinung der Lehrer_innen, Akademiker_innen schicken ihre Kinder immer aufs Gymnasium. Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Durchsetzung des Elternwillens müsste mit intensiven Elterngesprächen einhergehen: Arbeiter_innen müssten ermutigt und Akademiker_innen zurück auf den Teppich geholt werden. Einfacher wäre es, auf die Selektion ganz zu verzichten.




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