Tag-Archiv für 'klassengesellschaft'

Klassismus? Was ist das denn?

Vortrag und Diskussion mit Andreas Kemper

Klassismus ist ein Begriff zur Bezeichnung der Diskriminierung von Personen aufgrund des tatsächlichen, vermuteten oder zugeschriebenen sozial- oder bildungspolitischen Status. Dieser individuellen, institutionellen und kulturellen Unterdrückung wird in Deutschland noch wenig Beachtung geschenkt.

Klassismus Was ist denn das

Der Begriff Klassismus beschreibt die Erfahrung persönlicher Diskrimnierung von Menscehn als gesellschaftliches, strukturelles Problem. Damit ergänzt und überschneidet er sich mit der Analyse von Rassismus, Sexismus und anderen Diskriminierungsformen.

Menschen in Armutsverhältnissen wird zum Beispiel gewalttätiges Verhalten oder Alkoholismus stereotyp unterstellt und medial inszeniert, obwohl diese Phänomene klassenübergreifend gleichermaßen vorkommen.

Kinderbetreuung im Nebenraum. Kennenlernen dazu ab 15 Uhr. Kontakt: gleichstellung@asta-bielefeld.de

Mittwoch, 25.07.2012, 16 Uhr Uni Bielefeld Raum S0 – 103

Produzieren wir eine Schicht der Verlierer?

Renate Köcher (Allensbach) in der FAZ vom 17.08.2011:

„Allensbach-Umfrage für die F.A.Z.
Produzieren wir eine Schicht sozialer Verlierer?
Unter- und Mittelschicht bleiben abhängig vom Arbeitseinkommen. Die Oberschicht hat sich aus dieser Abhängigkeit gelöst. Aber auch sonst läuft vieles auseinander in der Gesellschaft.“ Weiter

Subroutine Todesdrohung

Sarrazins Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ basiert auf dem Erbintelligenz-Paradigma, dem zu Folge sich Intelligenz gruppenspezifisch vererbt. Ob es so etwas wie eine allgemeine Intelligenz überhaupt gibt, ist umstritten. Noch umstrittener sind daher die Annahmen, dass sich allgemeine Intelligenz vererbt, ja sogar gruppenspezifisch vererbt, und das ganze auch noch messbar sei. Aber selbst wenn das alles richtig wäre, hätten wir Laborsitutaionen vor uns und nicht die Wirklichkeit, die Alltagsrealität. Es ist vor allem unsere Gesellschaft, die über unser Denkpotential entscheidet. Herrschaft und Unterdrückung behindern Denkprozesse und zwar auf verschiednen Ebenen. (mehr…)

Der doppelte Klassenbegriff

Von Andreas Kemper

Ich habe auf Grundlage einer Idee von Gabriele Winker und Nina Degele einen Artikel begonnen zum Thema „Doppelter Klassenbegriff“. Was haltet ihr davon, analytisch den Klassenbegriff in Produktionsklassen und Reproduktionsklassen zu trennen? Hier ist der Artikel: Doppelter Klassenbegriff

„Oben“ und „unten“ gibt es nicht – Kritik am klassenbezogenen Vertikalitäts-Diskurs

Von Andreas Kemper

Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde die Gesellschaft als Ständegesellschaft aufgefasst. Die Einteilung in Stände entsprach der gesellschaftlichen Produktionsweise des Feudalismus. Die Stände wurden dabei hierarchisch geordnet. Hierarchie heißt so viel wie „heilige Ordnung“. Diese Ordnung verortete Gott oben und das Schlechte unten. Oben zu sein hieß Gott näher sein. Das Gute floss von Oben nach Unten. Dies spiegelte sich auch architektonisch oder in anderen Dispositiven wider. (mehr…)

Zweite Jenaer Klassenkonferenz

Am 1. und 2. Juni findet in Jena die Zweite Jenaer Klassenkonferenz statt. Anhand von drei Orten – Stuttgart, Neukölln, Hamburg – werden aktuelle Streitthemen auf ihren klassenspezifischen Gehalt untersucht und diskutiert: bürgerlicher Protest (Stuttgart 21), Migration und Klasse (Neukölln, Sarrazin-Debatte) und Bildungspolitik der Privilegierten (Hamburger Schulstreit).

„Klassen, Kultur und symbolische Herrschaft — Gesellschaftsdiagnose nach Pierre Bourdieu“

In Freiburg findet am 7. und 8. Oktober 2011 die Konferenz „Klassen, Kultur und symbolische Herrschaft — Gesellschaftsdiagnose nach Pierre Bourdieu“ statt.
Weiter zur Tagungsankündigung/ Call for paper.

Grafen müssen jetzt schon für Barone arbeiten

Die Nachrichtenagenturen vermelden heute: Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg hat einen Anwalt, Alexander Graf von Kalckreuth, der die Vorabveröffentlichung der Ergebnisse der Kommission der Uni Bayreuth zur Überprüfung von Guttenbergs Doktorarbeit scharf kritisiert. Ja, wo gibts denn sowas? Gelten die feudalistischen Zustände gar nicht mehr? Arbeiten jetzt schon Grafen für Freiherren? Und demnächst Herzöge für Arbeiterkinder?
Sorry, momentan bin ich nur noch am staunen.

Die Grünen – eine Abiturientenpartei

Aus dem Freitag, 31.03.2011, Ulrike Winkelmann
Die Grünen – eine Abiturientenpartei
„Die Grünen sollen jetzt eine Volkspartei sein. Das stimmt – und wieder nicht. Auf Arme und Arbeitslose muss die Partei jedenfalls keine Rücksicht nehmen, sagt das DIW.“
Zum Freitag-Artikel

Die übliche Klassenjustiz wirkt auch im Fall Guttenberg

Wir kennen das ja. Droht eine Steuerhinterziehung in Millionenhöhe aufzufliegen, darf man den Betrug zugeben und einfach nachzahlen. Wer hingegen ohne Ticket fährt, landet wegen zwei oder drei Euro mitunter im Knast. Die bekannt gewordenen Hartz-IV-Unregelmäßigkeiten betragen im Jahr fünfzig Millionen Euro – Peanuts gegenüber den 2 Milliarden Euro Steuerhinterziehungen, die allein in einem Jahr durch die CD-Käufe aufgeflogen sind. Entsprechend drohen Guttenberg auch keine Konsequenzen durch seinen massiven Betrug. Zweierlei Recht. Niemals würden Arbeiterkinder so einfach davonkommen wie der Herr Guttenberg. Der Begriff „Klassenjustiz“ trifft sehr gut dieses System, welches rechtliche Konsequenzen nur für die Benachteiligten kennt. In welchem Fachbereich wurde Guttenberg das „Summa Cum Laude“ nachgeworfen? Jura? Die Uni Bayreuth verzichtet darauf, herauszufinden, ob eine bewusste Täuschung vorlag? Sehr großzügig.

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Postdemokratie

Von Andreas Kemper

Michael Klundt, Professor für Kinderpolitik am Fachbereich für Angewandte Humanwissenschaften der Hochschule Magdeburg-Stendal, geht in einem Artikel in der Jungen Welt („Merkels Raubzug“, 26.11.2010) auf das 2008 erschienene Buch „Postdemokratie“ des britischen Soziologen Colin Crouch ein. Zitat: „Während die demokratischen Institutionen formal weiterhin vollkommen intakt sind […], entwickeln sich politische Verfahren und die Regierungen zunehmend in eine Richtung zurück, die typisch war für vordemokratische Zeiten: Der Einfluß privilegierter Eliten nimmt zu […]“ (Crouch 2008, S.13). Was haltet ihr von der These?

Klasseninteressen und Klassismus in der Sarrazin-Debatte

Veranstaltung vom Fikus-Referat Münster. Referent_innen: Andreas Kemper, Tobias Fabinger und Esra Onus

Klasseninteressen und Klassismus in der Sarrazin-Debatte

Gegen wen richtet sich der von Sarrazin und Anderen freigesetzte Diskurs über unproduktive Migrantenmilieus, Unterschichten und das vermeintliche Verschwinden Deutschlands? Sarrazins Argumentation naturalisiert gesellschaftliche Konflikte und richtet sich letztlich gegen die Arbeiterkinder und benachteiligten Migranten. Eine soziologische Analyse kennt Sarrazin nicht. Wir wollen der Naturalisierung nachgehen und ideologiekritisch den Biologismus und Ökonomismus der politischen Debatten befragen. (mehr…)

Warum Deutschland wirklich verdummt

Von Andreas

Der Titel ist natürlich reißerisch: denn erstens kann ein Staat nicht „verdummen“, weil er kein Lebenwesen ist. Zweitens bin ich Kosmopolit und mich interessiert die „Dummheit Deutschlands“ nicht mehr als die anderer Staaten. Und drittens sind mir Menschenrechte wichtiger als ökonomische Verwertbarkeiten von „Humankapital“. Dennoch ist eine Studie aus Österreich spannend, wo der Wissenschaftler Max Haller der Uni Graz gefragt hat, warum es in Österreich kaum noch Nobelpreisträger gibt. Die Antwort: aufgrund der sozialen Selektion zugunsten der Privilegierung Akademikerkinder werden potentielle Nobelpreisträger schon im Schulsystem ausgesiebt. (mehr…)

DIW: Mittelschicht schrumpft

Niedrige Einkommen (70 % des Einkommens der Mittelschicht): 22% der Bevölkerung
Mittlere Einkommen (100 %): 49 %
Hohe Einkommen (150 %): 19%

aus der Studie des Deutschen Institus für Wirtschaftsforschung (DIW):
- „Die Einkommensschere zwischen niedrigen und hohen Einkommen hat sich in Deutschland weit geöffnet“
- Die Reichen sind „nicht nur immer mehr, sondern im Durchschnit auch immer reicher geworden“. Parallel dazu sind die Ärmeren „nicht nur mehr, sondern auch immer ärmer“ geworden.
- „Gerade bei den mittleren Schichten, deren Status sich auf Einkommen und nicht auf Besitz gründet, besteht eine große Senisibiliät für Entwicklungen, die diesen Status bedrohen“

(Anm.: Momentan funktioniert die Seite vom DIW nicht – weitere Infos folgen)

Die Klassenfrage jetzt enttabuisieren

von Tobias Fabinger

Der Sozialphilosoph Theodor W. Adorno, der maßgeblichen Einfluss auf die Studentenbewegung Ende der 60ger Jahre hatte, aber auch das kulturelle Klima in Deutschland insgesamt prägte, sprach von einer „neurotischen Angst vor Marx“. Eine neurotische Angst ist eine irreale Angst, eine Angst vor einem Phantasma. Wieso aber besteht diese Angst, sich mit den Theorien von Karl Marx auseinanderzusetzen, sind sie doch hochrational argumentierende Gebilde und kein Teufelswerk? Die Antwort ist einfach: Weil sie an ein gesellschaftliches Tabu rühren, nämlich an die Erkenntnis der Klassengesellschaft. Diese Erkenntnis ist, wie Adorno ebenfalls festgestellt hat, der bürgerlichen Gesellschaft gleichsam peinlich, weil sie sich ja als Gesellschaft der Freien und Gleichen definiert.
Zunächst umreiße ich die klassische marxistische Klassentheorie, um dann zu fragen, welche Bedeutung diese Theorie in der Gegenwartsgesellschaft und in der Perspektive des Grundgesetzes und des demokratischen Verfassungstaates haben kann. Auch soll nach ihrem Erklärungswert für die Ungleichheit der Chancen im gegenwärtigen Bildungssystem gefragt werden.

Die marxistische Theorie – auch nach Marx im 20. Jahrundert, etwa bei Antonio Gramsci – bezeichnet das Proletariat als subaltern – also als nachgeordnet, randständig. Während das Bürgertum integriert ist, also im Kernbereich der Gesellschaft agiert, wird der Proletarier lediglich herangezogen, weil man seine Arbeitskraft braucht. (mehr…)




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