Tag-Archiv für 'klassismus'

Klassismus? Was ist das denn?

Vortrag und Diskussion mit Andreas Kemper

Klassismus ist ein Begriff zur Bezeichnung der Diskriminierung von Personen aufgrund des tatsächlichen, vermuteten oder zugeschriebenen sozial- oder bildungspolitischen Status. Dieser individuellen, institutionellen und kulturellen Unterdrückung wird in Deutschland noch wenig Beachtung geschenkt.

Klassismus Was ist denn das

Der Begriff Klassismus beschreibt die Erfahrung persönlicher Diskrimnierung von Menscehn als gesellschaftliches, strukturelles Problem. Damit ergänzt und überschneidet er sich mit der Analyse von Rassismus, Sexismus und anderen Diskriminierungsformen.

Menschen in Armutsverhältnissen wird zum Beispiel gewalttätiges Verhalten oder Alkoholismus stereotyp unterstellt und medial inszeniert, obwohl diese Phänomene klassenübergreifend gleichermaßen vorkommen.

Kinderbetreuung im Nebenraum. Kennenlernen dazu ab 15 Uhr. Kontakt: gleichstellung@asta-bielefeld.de

Mittwoch, 25.07.2012, 16 Uhr Uni Bielefeld Raum S0 – 103

Uni Hamburg: Vollversammlung von Arbeiter*innenkindern geplant

Hier eine Mitteilung des Fachschaftsrat Sozialökonomie (der Fachbereich Sozialökonomie war ursprünglich die Hochschule für Wirtschaft und Politik/ HWP, welche als ehemalige Gewerkschaftshochschule einen hohen Anteil von Arbeiterkindern hat):

Teilautonomes AStA-Referat für Arbeiterkinder und gegen Klassismus

Warum ein Teilautonomes AStA-Referat für Arbeiterkinder und gegen Klassismus? Wir sind eine durch Klassismus diskriminierte Minderheit an der Universität Hamburg. Kennst du das Gefühl, anders wahrgenommen zu werden, als die meisten deiner Mitstudierenden aus akademischen Elternhäusern? Findest du es unfair, weniger finanzielle Unterstützung aus dem Elterhaus zu bekommen als andere Studierende? Hast du niemanden in deiner Familie mit Studiumserfahrungen, denn du um Rat fragen kannst? Musstest du dir einen vollkommen neuen Freundeskreis an der Uni aufbauen? Kann dich ein Fachschaftsrat, Studierendenparlament oder AStA überhaupt in allen Fragen vertreten und beraten, obwohl dort deine Probleme nicht aus eigenem erleben bekannt sind? Musstest du härter und mehr lernen, um überhaupt die Chance zu bekommen zu studieren? Willst du auf das Mitleid der finanziell und kulturell besser gestellten Mehrheit im AStA angewiesen sein oder deine Interessen selber zusammen mit anderen Studierenden solidarisch vertreten? (mehr…)

Call for Papers: Buchprojekt „Strangers in ‚Paradise‘“

Call for Papers: Buchprojekt „Strangers in ‚Paradise‘“

Der Sammelband „Strangers in ‚Paradise‘“ wird herausgegeben von einer Gruppe von Akademiker_innen mit nicht-akademischen Klassenhintergründen. Der Sammelband zielt darauf ab, Dominanzverhältnisse innerhalb der Hochschulen, die mit Klasse/sozialer Herkunft zu tun haben (=Klassismus), zu benennen und zu kritisieren.

Klassismus innerhalb der Hochschulen ist überall spürbar und wird doch fast nie zum Thema gemacht: Working Class/Poverty Class-Academics werden an Hochschulen alltäglich mit Marginalisierungen, Ausschlüssen und Anpassungsdruck konfrontiert. Hochschulen werden so zu einer jener Instanzen, die zur Legitimierung und Unsichtbarmachung kapitalistischer Ausbeutungs- und Dominanzverhältnisse beitragen. (mehr…)

Rassismus und Sozialchauvinismus

Das „Bündnis gegen Rassismus und Sozialchauvinismus“ gehört zum Netzwerk „Zusammen handeln! Gegen rassistische Hetze und soziale Ausgrenzung“. In einer Pressemitteilung zum berüchtigten Web-Portal „PI-News“ kritisieren sie: (mehr…)

Artikel zum 70. Geburtstag Barbara Ehrenreichs

„Selbst ›aufgeklärte‹ Menschen, die vielleicht bei einer rassistischen Bemerkung zusammenzucken, werden ohne weiteres charakterbedingte Mängel einer nicht näher definierten ›Unterschicht‹ auflisten. Sie kommen dabei unweigerlich immer wieder auf Ignoranz, Promiskuität und Faulheit. Wenn sie die weiße (…) Arbeiterschicht karikieren, haben sie kaum Hemmungen: deren Geschmack ist ›kitschig‹, ihre Gewohnheiten sind ungesund und ihre Ansichten hoffnungslos intolerant und engstirnig.“ Ein Artikel von Michael Zander in der Jungen Welt, 26.08.2011 Lesen

EU-Journalistenpreis gegen Diskriminierung

Von Andreas Kemper

Zum achten Mal wird der EU-Journalistenpreis gegen Diskriminierung vergeben. Artikel, die in Magazinen oder online im Zeitraum vom 18. September 2010 und 10. November 2011 das Thema Diskriminierung mit europäischen Bezug zum Thema haben, können vorgeschlagen werden. Allerdings sind nur die Diskriminierungen als Thema erlaubt, die von den europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien abgedeckt sind. Also keine klassenspezifischen Diskriminierungsgründe (Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Armut, Bildungsbenachteiligung, Niedriglohnpolitik, …). Daher hier meine Idee: Schreibt Artikel zur klassenspezifischen Diskriminierung mit europäischen Bezug, die ebenfalls von einer der sechs offiziellen Diskriminierungsgründe handeln, intersektionell oder irgendwie anders. Wir können dann die Artikel gemeinsam einreichen.

Hier die Teilnahmebedingungen: EU-Journalistenpreis – Gemeinsam gegen Diskriminierung

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Klassenkörper – Arranca!-Artikel

Von Andreas Kemper

Ein Verweis auf die neue Arranca! – Don‘t look back in anger
Als Reaktion auf die letzte Arranca! mit dem Schwerpunkt „Bodychek“ habe ich einen Artikel zum Thema Klasse und Körper nachgeschoben, da in der Schwerpunkt-Nummer kein Artikel zu diessem Thema zustande gekommen ist. Hier der Artikel Klassenkörper. (mehr…)

Aufgeschnappt: „Ausbildungsunfähige Jugendliche“

Gunnar Heinsohn zur Frage, warum es in Großbritannien, aber nicht den USA Aufstände gibt:

„Das liegt daran, dass Bill Clinton 1997 ein Gesetz gegen eine schnell zunehmende Jugend, die nicht ausbildungsfähig ist und ihre zahlenden Mitbürger mit Gewalt bedroht, etablierte: Körperlich gesunden Amerikanern kürzte er den bis dahin lebenslangen Rechtsanspruch auf Sozialhilfe auf fünf Jahre.“ Tagesanzeiger: „Das ist kein englisches Problem“, 11.08.2011

Diese eugenischen Forderungen hatte er zuletzt 2010 in mehreren Zeitungen von sich gegeben.

Slutwalk: „Gegen Sexismus, Trans-, Homo- und Queerphobie, Rassismus und Klassismus“

Von Andreas Kemper

Wie wir berichteten, findet am Samstag, 13.08.2011, in verschiedenen Städten Deutschlands der erste „Slutwalk“ statt. Ausgelöst wurden diese Slutwalks durch Kleidungsempfehlungen eines männlichen Polizisten zur Vergewaltigungsvermeidung. Mit den Slutwalks soll betont werden, dass es nicht die Kleidung ist, die einen Mann zu einem Vergewaltiger macht und dass jede_r so rumlaufen kann, wie er_sie es möchte. Die Slutwalks gehören zu den wenigen Events, die auch Klassismus kritisieren. In der „Jungen Welt“ wurde betont, dass dies nicht „marxistisch“ sei. Sie meinten wohl, es sei nicht „dogmatisch-marxistisch“, also marxistisch in dem Sinne von dem Marx sich einmal abgegrenzt haben soll, als er in einer Veranstaltung betonte, er sei kein Marxist. Wie dem auch sei, im Aufruf von SlutWalk Berlin („Wir stellen uns gegen andere Unterdrückungsmechanismen wie Rassismus, Homo- und Trans* und Queerphobie, weil diese ebenfalls Ursachen sexualisierter Gewalt darstellen.“) findet sich „Klassismus“ nicht als Thema. Vergessen oder bewusste Entscheidung? Daher an dieser Stelle die Kritik am SlutWalk aus einer indischen feministischen Klassenperspektive. In Deutschland stellt sich die Situation anders dar als in Indien, daher finde ich die Slutwalks gut. Dennoch zeigt die Kritik, wie wichtig die Klassenfrage ist. „Schlampig herumlaufen“ hat nicht nur eine sexistische, sondern auch eine klassistische Konnotation (Stichwort Lügenfernsehen, Konstruktion von Bildern der sogenannten „Unterschicht“). Das feministische Lesbenkollektiv „Furees“ hatte vor vierzig Jahren bereits darauf hingewiesen, dass der Unterschied zwischen Slut und sexy vor allem auch klassistisch geprägt ist: Mittelschichtstöchter sind sexy und anständig, während Arbeitertöchter als Sluts gemobbt werden (entsprechend übrigens auch die Männlichkeitszuschreibung: Proll und Macho sind eng miteinander verbunden). Hier noch einmal der Hinweis auf das Audiostück von Magret Steenblock und ClaraRosa: Classism is a Heartbreaker

Weitere Diskussionen zum Thema Klassismus und SlutWalk:
* Was die Katzenberger mit den SlutWalks zu schaffen hat
* Aura Blogando: SlutWalk: A Stroll Through White Supremacy

Breivik ist nicht „wirr“

Von Andreas Kemper

Als ich bereits Freitag Nacht darauf hinwies, dass der Täter von Oslo die Jugendlichen erschoss, weil er damit eine politische Strategie verfolgte, nämlich die vermeintliche Ursache für eine „Islamisierung“ durch einen Angriff auf den „Kulturmarxismus“ und insbesondere auf die linke Jugend, die „Stoltenberg Jugend“ zu stoppen, wurde mir in meinem Blog „Pietätlosigkeit“ vorgeworfen. In den Medien ist jetzt zu hören, dass Breivik ein „wirres“ Geständnis abgelegt habe. Liest man seine Kommentare in document.no oder sein „2083 – A European Declaration of Independence“, so zeigt sich, dass Breivik alles andere als „wirr“ ist. Der Massenmord war genau geplant, er dient als Auftakt einer konservativen Revolution. Breivik hat bewusst in Kauf genommen, verhaftet zu werden. (mehr…)

Peter Nowak: Klassismus – Konzept zur Gesellschaftsveränderung oder zur Mittelstandsförderung?

Hier eine Rezension von Peter Nowak zum Buch „Klassismus. Eine Einführung“: http://peter-nowak-journalist.de/2011/05/31/klassismus/ Peter Nowak kritisiert einen Bedeutungswandel des Begriffs:

„Von der Gesellschaftsveränderung zur Karriereförderung
Die Furies werden in dem Buch als eine Gruppe von Frauen aus der ArbeiterInnenklasse vorgestellt, die eine ganz eindeutig antikapitalistische Zielsetzung verfolgten. Eine andere in dem Buch vorgestellte Gruppe, die Working-Class-Akademikerinnen (WCA), haben mit den Furies die Herkunft gemeinsam. Doch zwischen ihren politischen Intentionen klaffen Welten. Den in den 90er-Jahren gegründeten WCA ging es nicht um die gesellschaftliche Umwälzung, sondern um die gegenseitige Unterstützung bei der Jobsuche im Wissenschaftsapparat.“

UN fordert von Deutschland Studiengebühren bundesweit abzuschaffen

Von Olaf Götze

UN fordert von Deutschland Studiengebühren bundesweit abzuschaffen – Bundesregierung zögerte Bericht hinaus

UN Sozialplakat pngRegelmäßig haben die Staaten, welche den UN-Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (kurz UN-Sozialpakt) unterzeichnet haben, gegenüber einem UN-Ausschuss zu berichten. Ursprünglich sollte der Bericht Deutschlands bereits am 30.06.2006 vorgelegt werden. Der UN-Ausschuss musste die Bundesrepublik mehrmals ermahnen, den 5-Jahresbericht endlich einzureichen. Im September 2008 war es dann endlich soweit und mittlerweile ist der Bericht öffentlich, ebenso wie der Report des UN-Auschuss zur Überwachung des Sozialpaktes. (mehr…)

Class Matters – neuer Anti-Klassismus-Blog

Lesenswert:
Class Matters – ClaraRosas Blog zum Thema Klassismus

Und hörenswert:
Ein Audiostück von Margret Steenblock und ClaraRosa zum Transgenialen CSD:
classism is a heartbreaker

Der doppelte Klassenbegriff

Von Andreas Kemper

Ich habe auf Grundlage einer Idee von Gabriele Winker und Nina Degele einen Artikel begonnen zum Thema „Doppelter Klassenbegriff“. Was haltet ihr davon, analytisch den Klassenbegriff in Produktionsklassen und Reproduktionsklassen zu trennen? Hier ist der Artikel: Doppelter Klassenbegriff

Das Lügenfernsehen

Anja Reschke hatte bereits vor einem Jahr für die Sendung Panorama eine sehr gute Reportage über den Hamburger Schulkampf produziert. Jetzt widmet sie sich dem „Lügenfernsehen“: der bewussten Konstruktion von klassistischen Stereotypen und dem verantwortungslosen und ausbeuterischen Umgang mit Menschen, die in Notlagen sind. Paul Nolte prägte für diese Formate den Begriff „Unterschichtenfernsehen“, womit die Betroffenen noch zusätzlich gebasht werden. „Lügenfernsehen“ ist da schon besser – vielleicht gibt es ja einen noch treffenderen Begriff?




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