Tag-Archiv für 'kulturelles-kapital'

Was soll ein Doktorgrad?

Von Andreas Kemper

Was soll ein Doktorgrad? Warum gibt es ihn? Pierre Bourdieu spricht von „institutionalisiertem kulturellen Kapital“. Der Doktorgrad gibt dem Habitus, bzw. dem „inkorporierten sozialen Kapital“ eine institutionelle Wahrheit: man ist Doktor. In Deutschland, Österreich und Tschechien kann der Doktorgrad im Personalausweis geführt werden (in allen anderen Staaten allerdings nicht), was nocheinmal mehr unterstreicht, das es sich bei Doktor_innen vor allem in Deutschland um „akademischen Adel“ handelt. Dieser Grad ist notwendig für die Stellenbesetzung. Durch die aufgeflogenen Plagiate von Spitzenpolitiker_innen in den letzten Jahren gerät diese Titelhuberei allerdings in die Kritik. Doch dies ist nur die eine Seite. Spannend ist die Frage: was ist denn unter „dem Neuen“ zu verstehen, welches eine Dissertation von anderen Arbeiten unterscheidet. Und was legitimiert, von Doktor_innen zu sprechen, vom Standpunkt akademischer/studierender Arbeiterkinder betrachtet? Gramsci spricht von „organischen Intellektuellen“. Mit meiner Dissertation möchte ich tatsächlich Neues in die Welt bringen. Ich würde mit Euch gerne diese Fragen diskutieren.

Interview mit Arbeiterkind Funny van Dannen in der taz

Funny van Dannen im Interview mit der taz über Kleinfamilie und Weihnachten. Hin und wieder geht es auch um die Schule – die akademische Laufbahn ist nicht so deren Ding in seiner Familie.

Der vermeintliche Aufstieg durch Bildung

Der vermeintliche Aufstieg durch Bildung.
Reproduktionsmechanismen des kulturellen Kapitals

Von Mike Retz

In öffentlichen Diskussionen und Sonntagsreden wird Bildung oft als „Wunderwaffe“ gegen Armut, Erwerbslosigkeit und soziale Ausgrenzung angepriesen. Bildung eröffne demnach jedem die Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg – so das Credo. In diesem Sinne folgert das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW): „Arbeitslosigkeit ist vor allem eine Folge mangelnder Bildung, ergo ist eine gute Schul- und Ausbildung der beste Schutz gegen Einkommensarmut“ (Zit. nach: Butterwegge 2009). Solche Aussagen werden bei Bourdieu (2001: 25) als Ideologie der „befreienden Schule“ bezeichnet, die Bildung als „Faktor sozialer Mobilität“ verkaufe, obwohl objektiv alles dagegen spreche. (mehr…)

Soziale Herkunft bestimmt Schulbesuch

Oder: Wie sich dank der Mehrgliedrigkeit und inneren Beschaffenheit des Schulsystems soziale Ungleichheit reproduziert

Von Jens Wernicke

„Nach Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte soll jeder – unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialer Herkunft – Zugang zu Bildung haben. Vergleichsstudien wie PISA oder IGLU zeigen jedoch, dass Bildungserfolg und Bildungsbeteiligung von der sozialen Herkunft der Kinder abhängen.“

Bildungsreservenausschöpfung als Standortfaktor

So beginnt die Zusammenfassung einer aktuellen Sonderauswertung der Ergebnisse des Mikrozensus zum „Sozioökonomischen Status von Schülerinnen und Schülern 2008“, die in Ausgabe 2/20101 der Schriftenreihe „Wirtschaft und Statistik“ (S. 138 – 149) des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht wurde. (mehr…)




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