Tag-Archiv für 'schule'

Argumentieren Baumert und Die Zeit wie Sarrazin?

Von Carl

Laut der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ äußert sich Bildungsforscher Jürgen Baumert (PISA) besorgt über die aktuelle demographische Entwicklung. Der Wissenschaftler ist der Meinung, dass in wenigen Jahren in den Ballungsräumen die Mehrheit der Schüler einen Migrationshintergrund haben werde. Wenn nichts geschehe, so Baumert im ZEIT-Interview, „genügt dieser sozialstrukturelle Wandel, um die deutschen Pisa-Zugewinne zunichtezumachen“. Die Risikogruppe der schwachen Leser werde zudem anwachsen. „Sozial schwächeren Familien“ müssten schon ab der Geburt ihrer Kinder Unterstützungsmaßnahmen geboten werden, damit ihre Kinder eine Chance hätten. Gleichzeitig distanzierte sich Baumert vom Gedankengut von Sarrazin. (mehr…)

Skifahren und Klassenfahrten

Arbeiterkinder werden systematisch von Schulangeboten ausgeschlossen. Später heißt es dann: sie wären die Asozialen. Ein Beispiel: Kein Skilager für sozial schwache Kinder.

NRW-Bildungskonferenz (GEW/DGB)

In Bochum findet am Donnerstag, 17.02., und Freitag, 18.02., ein Bildungskongress von GEW-NRW und DGB-NRW statt. Bochumer Kongress 2011. „Bildung: Schlüssel zur Zukunft“ Bis zum 31. Januar kann man sich anmelden. Der Kongress findet an der Uni Bochum statt.

Umkämpftes Feld Grundschule

Thilo Sarrazin beruft sich in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ auf fragwürdige Quellen, wenn er sich über Bildung und Intelligenz äußert. Seine Gewährsleute sind Rassisten aus dem Umfeld der Eugenik-Zeitschrift „Mankind-Quarterly“, die bereits in den Vereinigten Staaten die unsägliche „Bell Curve“-Diskussion mitbestimmten und zu denen in Deutschland vor allem der Eugeniker Volkmar Weiss zählt, oder Psychologen wie Rindermann, der die PISA-Daten als IQ-Test verstanden wissen will und in einem Radio-Interview von unterschiedlichen Rassen sprach. Zu seinen Quellen zählt er aber auch seine Frau, die als Grundschullehrerin in Charlottenburg tätig ist. (mehr…)

Chance² Projekt der Uni Duisburg/Essen

Auszug aus der Projektbeschreibung Chance² der Univeristät Duisburg/Essen

„In Deutschland nehmen weniger Jugendliche ein Studium auf als in anderen Ländern. Gerade Kinder aus ökonomisch schwachen Verhältnissen studieren seltener als Kinder von Akademikern.
Häufig aber liegt es nicht an mangelnder Intelligenz, ob eine Schülerin oder ein Schüler das Abitur schafft und ein Studium aufnimmt, sondern an anderen Faktoren: Die Jugendlichen haben in ihrer direkten Umgebung keine Vorbilder, weder für ein Studium noch für den daraus möglichen resultierenden Beruf , trauen sich das Studium nicht zu oder sind häuslich eingebunden. (mehr…)

Birth, not Worth

Von Andreas Kemper

In Deutschland separiert sich die Mittelschicht spätestens dann von ärmeren Familien, wenn die Kinder schulpflichtig sind. Die Einschulung führt oft dazu, dass Mittelschichts-Eltern in andere Stadtteile ziehen. In Großbritannien scheint es ein ähnliches Muster zu geben, wie dem Artikel „Endstation Kindergarten“ von Ralf Sotschek aus der taz vom 28.09.2010 zu entnehmen ist. Die Diskriminierung aufgrund der Sozialen Herkunft ist deutlich und trotz Wissen um diese Diskriminierung ändert sich nichts zum Positiven. Im Gegenteil. Die Europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien müssen dringend um diese klassenspezifischen Aspekte ergänzt werden.

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Arbeitslosigkeit und Schulschwänzen

Volker Kauder, der Franktionsvorsitzende der CDU, fordert, Geldbußen konsequenter von Hartz-IV-Bezügen abzuziehen, wenn Kinder nicht zur Schule erscheinen. Er habe den Eindruck, dass Bußgelder wegen Schulschwänzens selten verhängt und noch seltener eingetrieben würden. Damit greift er eine der Ideen von Thilo Sarrazin auf, der in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ genau diese Regelung gefordert. Diese Strafen müssten so gestaltet sein, dass sie das Existenzminimum unterlaufen. (mehr…)

Über die pädagogische Arbeit mit Hauptschülern

von Tobias Fabinger

Der Autor dieses Artikels hatte das Glück, drei Jahre lang mit Hauptschülern in der Praxis zu arbeiten. Dabei handelte es sich um Bildungsmaßnahmen, die auf Ausbildungsberufe vorbereiten sollten. Die Klienten dieser Bildungsmaßnahme bestanden neben Hauptschülern in geringener Anzahl auch aus Realschülern, Sonderschülern; und sogar der eine oder andere Gymnasiast – ausschließlich Arbeiterkinder – hatte sich in diese Maßnahmen verirrt. Schließlich noch jene, die gar keinen Schulabschluss aufwiesen, ihn aber unter Umständen nachmachen konnten. Ihnen allen gemeinsam: Sie hatte Probleme, einen Ausbildungsplatz zu finden. Hunderttausende von Jugendlichen durchlaufen diese Bildungsmaßnahmen zwischen Schule und Ausbildung und gleichwohl sind diese „Berufsvorbereitenden Lehrgänge“ in der Öffentlichkeit kaum bekannt.

Ich möchte nun einige Beobachtungen darstellen, wie ich sie während des Deutsch- und Matheunterrichts, während des Trainings Soziale Kompetenz und während des Bewerbungen Schreibens mit den Jugendlichen machen konnte. Wir reden oft über nicht ausgeschöpfte Begabungsreserven. Aber während meiner pädagogischen Arbeit wurde mir klar: Es gibt in dem bestehenden Schulsystem so gut wie keine Möglichkeit, diese Begabungsreserven auszuschöpfen. (mehr…)

Eltern geben der Schule schlechte Zensuren

Pressemitteilung 08.09.10 | 1. JAKO-O Bildungsstudie: Note „mangelhaft“ – Eltern geben der Schule schlechte Zensuren – Repräsentative Studie: 3.000 Eltern beurteilen das Schulsystem

Ohne Eltern geht es nicht: Mama oder Papa als Nachhilfelehrer, das ist eher die Regel als die Ausnahme in deutschen Familien. 94 Prozent der Eltern fühlen sich verpflichtet, sich intensiv um die schulischen Leistungen ihrer Kinder zu kümmern. Doch dieses Engagement geht auf Kosten des Familienlebens – und ärgert viele Eltern. (mehr…)

Immer mehr Schulabgänge ohne Abschluss

Der morgen vorgestellte Integrationsbericht stellt die neuen Zahlen der Bildungsabschlüsse von Schülern und Schülerinnen mit Migrationshintergrund vor. Demnach würden gegenüber den Vorjahren ein Drittel mehr Migrantenkinder ihre Schulzeit ohne Abschluss beenden. 13,3 Prozent dieser Schüler_innen haben nun keinen Schulabschluss. Aber auch bei Kindern mit deutscher Herkunftsfamilie ist die Zahl ohne Schulabschlüsse um ein Drittel gestiegen von 5,4 Prozent 2005 auf 7 Prozent. (mehr…)

Der vermeintliche Aufstieg durch Bildung

Der vermeintliche Aufstieg durch Bildung.
Reproduktionsmechanismen des kulturellen Kapitals

Von Mike Retz

In öffentlichen Diskussionen und Sonntagsreden wird Bildung oft als „Wunderwaffe“ gegen Armut, Erwerbslosigkeit und soziale Ausgrenzung angepriesen. Bildung eröffne demnach jedem die Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg – so das Credo. In diesem Sinne folgert das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW): „Arbeitslosigkeit ist vor allem eine Folge mangelnder Bildung, ergo ist eine gute Schul- und Ausbildung der beste Schutz gegen Einkommensarmut“ (Zit. nach: Butterwegge 2009). Solche Aussagen werden bei Bourdieu (2001: 25) als Ideologie der „befreienden Schule“ bezeichnet, die Bildung als „Faktor sozialer Mobilität“ verkaufe, obwohl objektiv alles dagegen spreche. (mehr…)

Eltern und Kinder unter Druck

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung widmet sich in den „Hamburger Skripte 20″ der Problematik der Bildungsbenachteilung von Arbeiterkindern. Hier eine kurze Selbstdarstellung der Inhalte von „Eltern und Kinder unter Druck“:

Eltern und Kinder unter Druck. Beiträge zur Auseinandersetzung um die Primarschule von Dora Heyenn, Jan Feddersen, Klaus Bullan, Kay Beiderwieden. (Hamburger Skripte 20)

Schule ist ein Dauerthema, nicht nur in den Familien – auch in der Politik. In Hamburg haben wir eine jahrzehntelange zermürbende Auseinandersetzung erlebt, in der es immer darum ging, ob das Gymnasium besser ist als die Gesamtschule oder nicht. (mehr…)

Man fühlt sich ein bisschen unsichtbar.

Erfahrungsbericht von Ronny

Im Jahr 1999 macht das Ruderteam der Schule einen Ausflug auf der Lahn. Es sind wunderschöne Tage und wir genießen sie mit allen Sinnen. Zum Ausklang haben einige von uns Jungs Sketche vorbereitet. Mehr oder weniger zufällig fällt unsere Wahl auf „four yorkshire men“, der aber (schlechte Englischkenntnisse der Mitschüler) auf Deutsch vorgetragen werden muss.
Ich verkörpere den Obadiah, in der Originalversion bekannt für seinen breiten Yorkshire-Dialekt. Da kann es nicht schaden, wenn ich selbst auch Dialekt spreche denke ich; und mich auch bewege wie ein Arbeiter, denn das ist Obadiah wahrscheinlich ursprünglich gewesen.
Die Mitschüler und die betreuende Lehrer sind ganz begeistert. (mehr…)

Erfahrungsbericht: Was ist ein guter Lehrer?

Von Fatih
Erfahrungsbericht 1

Ich bin früher nicht gern zur Schule gegangen. Schwänzen war mein liebstes Hobby und der Unterricht hat mich nicht interessiert. Meinen Eltern hat das nicht gefallen, aber was wollten sie tun? Dadurch, dass ich geschwänzt habe und unverschämt war, hatte ich den Repekt meiner Klassenkameraden… was wollte ich mehr? Dann in der siebten Klasse wurden wir von einem ausgezeichneten Deutsch-Lehrer unterrichtet. In den anderen Erfahrungsberichten habe ich es auch schon gesehen. Ein guter Lehrer kann viel ändern. (mehr…)

„Die unmenschliche Selektion gehört abgeschafft“

Die ehemalige Rektorin der vorbildlichen Helene-Lange-Schule in Wiesbaden im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten :

„Wir haben in Deutschland einen so riesigen Nachholbedarf im Vergleich zu allen anderen Ländern in Europa. Vor allem brauchen wir die Gemeinschaftsschule von Klasse 1 bis 9, damit alle Kinder in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit in Ruhe gemeinsam und voneinander lernen können. Die unmenschliche Selektion nach Klasse 4 gehört endgültig abgeschafft, nicht nur aus pädagogischen sondern auch aus ökonomischen Gründen. Das wird schwer, wie sich jetzt in Hamburg zeigt. Aber die Zeit arbeitet für uns.“




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