Tag-Archiv für 'soziale-selektion'

OECD empfiehlt Abschaffung der frühen sozialen Selektion

Von Andreas Kemper

Equity and Quality in Education. Supporting Disadvantaged Students and Schools

Ein neuer OECD-Bericht empfiehlt verstärkte Investionen im Schulbereich, Abschaffung des Sitzenbleibens, Selektion/Segregation erst ab Sek II, Einschränkung der freien Schulwahl durch Eltern.

Interessant ist die Formulierung: „Dort, wo Widerstände gegen eine Aufschiebung des Zeitpunkts der Selektion bestehen, empfiehlt es sich, die untersten Schulzweige abzuschaffen, um die negativen Effekte dieser Praxis zu verringern.“ Diese Formulierung irritiert mich, aber ich kann noch nicht genau sagen, warum. Vielleicht, weil einfach hingenommen wird, dass es diesen Widerstand gibt, obwohl er wissenschaftlich keine Grundlage hat?

Frühe Selektion plus Elternwille gleich Soziale Selektion

Von Andreas Kemper
Hier der Link zum Artikel „Elternwunsch statt guter Noten“ von Thomas Vitzthum in der Welt Online, 17.04.2011

Bald entscheiden fast überall Mutter und Vater, ob das Kind aufs Gymnasium geht. Die soziale Auslese wird dadurch weiter befördert.

Es ist irritierend, dass zum einen eine frühe Selektivität besteht, die mit Begabungsunterschieden legitimiert wird, dass aber gleichzeitig die Kriterien zur Messung dieser Unterschiede abgeschafft werden.
Lehrer_innen sind sozial selektiv, Arbeiterkinder müssen ein ganzes Schuljahr besser sein als Akademikerkinder, um eine Gymnasialempfehlung zu erhalten. Über 80% der Akademikerkinder mit einem Notenschnitt von 2,5 erhalten eine Gymnasialempfehlung, aber nur ein Drittel der Nicht-Akademikerkinder mit dem gleichen Notenschnitt.
Das Problem: Eltern sind noch selektiver. Arbeiter_innen orientieren sich an der klassistischen Meinung der Lehrer_innen, Akademiker_innen schicken ihre Kinder immer aufs Gymnasium. Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Durchsetzung des Elternwillens müsste mit intensiven Elterngesprächen einhergehen: Arbeiter_innen müssten ermutigt und Akademiker_innen zurück auf den Teppich geholt werden. Einfacher wäre es, auf die Selektion ganz zu verzichten.

11. Studiensurvey: Bildungsbenachteiligung bleibt unverändert

Das 11. Studiensurvey der AG Hochschulforschung der Uni Konstanz teilt in der Kurzmitteillung zum Kriterium Soziale Herkunft mit:

Für die Studienaufnahme ist sowohl eine gute Abiturnote als auch die akademische Herkunft von fast gleichem Gewicht. 2010 gehören 42% der Studierenden zum Kreis der Bildungsaufsteiger (kein akademisches Elternhaus); ihr Zugang an die Hochschulen hat sich kaum erweitert. An den Universitäten ist ihr Anteil weit geringer als an den Fachhochschulen.

Die Verwirklichung von Auslandsaktivitäten ist abhängig von der sozialen Herkunft. Besonderes Gewicht als Barriere haben Finanzierungsprobleme und Notwendigkeiten der Umorientierung.

Weitere Infos: Zentrale Ergebnisse des 11. Studiensurvey

Studienstiftung des deutschen Volkes fördert noch immer 80% Akademikerkinder

Im Effekt hat sich so gut wie nichts geändert. Zwar können sich studierende jetzt selber bewerben und müssen nicht mehr vorgeschlagen werden. Aber auch nach einem Jahr kommen 80% der Stipendiant_innen der Stiftung des deutschen Volkes aus der Akademikerschicht. Kein Wunder, wenn man sich den Erfahrungsbericht durchliest, den Julian Kranz SPIEGEL-Online mitteilte. Bereits auf dem Weg zur Stiftung kamen ihm Bedenken: (mehr…)

Die Eltern sind schuld?

Von Andreas Kemper

Wieder mal ein Artikel, der für die Bildungsbenachteiligung von Arbeiterkindern die Eltern verantwortlich macht. Diesmal in der Welt-Online. In Einzelfällen mag es zutreffen, dass Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder studieren. Aber was hier mal wieder stattfindet, ist eine pauschale Verunglimpfung der sogenannten „unteren“ Schichten: Drei von vier Arbeiterkindern scheuen ein Studium. Interessant sind auch die Leserkommentare: „Es ist einfach nur schlimm mit anzuschauen, wie Eltern aus ungebildeten Familien Ihren Kindern womöglich einen Teil der Zukunft verbauen.“ oder „Das liegt aber nicht am Schulsystem, das ist das Gleiche wie vor 20 Jahren, sondern das liegt an den Eltern und vor allem daran, dass viele nicht während des Studiums arbeiten wollen.“ Arbeiterkind.de strickt am Mythos „Eltern sind schuld“ mit. Schade.


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Studentenwerk: Jetzt die „Soziale Dimension“ verwirklichen

Pressemitteilung des deutschen Studentenwerkes

Bologna: Jetzt die „soziale Dimension“ realisieren!

  • Studentenwerke vermissen „verbindliche Handlungsgrundlage“ für alle Bologna-Staaten
  • Rolf Dobischat, Präsident des Deutschen Studentenwerks: „Soziale Dimension ist Stiefkind im Bologna-Prozess“

Berlin, 1. Dezember 2010. „Die soziale Dimension wird von der Politik mehr beschworen als mit Leben gefüllt. Sie ist ein Stiefkind im Bologna-Prozess“, kritisiert Prof. Dr. Rolf Dobischat, der Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW). Die 58 Studentenwerke in Deutschland, die sich auf Einladung des DSW am Dienstag und Mittwoch zu ihrer Jahresversammlung in Berlin trafen, vermissen eine konkrete und verbindliche Handlungsgrundlage der 46 Bologna-Staaten. (mehr…)

Vollversammlung der studierenden Arbeiterkinder

Vollversammlung Donnerstag, 16.12. 18 Uhr AStA Uni Münster, Schlossplatz 1, Plenumsraum

Zum zehnten Mal wird es eine Vollversammlung von studierenden Arbeiterkindern an der Universität Münster geben. Während der Vollversammlung wird darüber beraten, wie die Situation von Arbeiterkindern im Bildungssystem verbessert werden kann. Es wird die Arbeit vom „Referat für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende“ vorgestellt, die amtierenden Referenten sind gegenüber dieser Vollversammlung rechenschaftspflichtig. Und es werden für das nächste Jahr neue Referent_innen gewählt. Die Stelle im AStA wird mit einer Aufwandsentschädigung in Höhe des vollen Bafög-Satzes vergütet. Bislang war es üblich, dass sich zwei (oder drei) Interessierte diese Stelle teilten. (mehr…)

Andrä Wolter zu Hochschulbildung und soziale Ungleichheit

Auf den Nachdenkseiten findet sich die Zusammenfassung eines Vortrags von Andrä Wolter während des Workshops: Bildung für alle? der Hans-Böckler-Stiftung und IG Metall Frankfurt am 27./28. September 2010 zum Thema Hochschulbildung soziale Ungleichheit . Hier werden von einem Mitarbeiter des Hochschul-Information-Systems sehr knapp die empirischen Daten zur sozialen Bildungsbenachteiligung zusammengefasst und kommentiert.

Expertise zur Arbeiterkinder-Benachteiligung an der Hochschule

Tino und Holger Bargel von der Universität Konstanz haben im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung eine fundierte Expertise zur sozialen Benachteiligung von Arbeiterkindern an Hochschulen vorgelegt. Momentan hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes eine Studie zur „Diskriminierung an Hochschulen“ in Auftrag gegeben, die die soziale Herkunft als Diskriminierungsform ursprünglich nicht vorsah, wo die Ergebnisse der HBS-Expertise aber nun dringend einfließen müssen. Die fünfzig Seiten „Ungleichheiten und Benachteiligungen im Hochschulstudium aufgrund der sozialen Herkunft der Studierenden“ sind allen ans Herz gelegt, die eine Diskriminierung von Arbeiterkindern nur im Schul- nicht aber im Hochschulbereich wahrnehmen. Neben die vielen anderen sinnvollen Forderungen der Studie schließe ich mich auch der Forderung nach einem „Social Mainstreaming und Monitoring“ an. Eine der wichtigsten Forderungen allerdings fehlt: die nach der Selbstorganisierung und internationalen Vernetzung von studierenden Arbeiterkindern.


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Warum Deutschland wirklich verdummt

Von Andreas

Der Titel ist natürlich reißerisch: denn erstens kann ein Staat nicht „verdummen“, weil er kein Lebenwesen ist. Zweitens bin ich Kosmopolit und mich interessiert die „Dummheit Deutschlands“ nicht mehr als die anderer Staaten. Und drittens sind mir Menschenrechte wichtiger als ökonomische Verwertbarkeiten von „Humankapital“. Dennoch ist eine Studie aus Österreich spannend, wo der Wissenschaftler Max Haller der Uni Graz gefragt hat, warum es in Österreich kaum noch Nobelpreisträger gibt. Die Antwort: aufgrund der sozialen Selektion zugunsten der Privilegierung Akademikerkinder werden potentielle Nobelpreisträger schon im Schulsystem ausgesiebt. (mehr…)

DSW-Sozialerhebung und Bildungsbarrieren

Von Andreas Kemper

Im Anhang befinden sich Auszüge der DSW-Sozialerhebung 2009 zum Schwerpunkt Soziale Selektion. Es handelt sich um eine Power-Point-Präsentation mit Kommentaren. Die Präsentation wird noch um Fragen der Studienfinanzierung und Lebenshaltungskosten ergänzt. Bisher sind dort die allgemeinen Ergebnisse zur Bildungsbeteiligung enthalten.

Hier finden Ihr die Grafiken des Hochschul-Informations-Systems HIS, welches die Sozialerhebung erstellt: (mehr…)

Kritik der Chancengleichheits-Kritik

Von Andreas Kemper

Bereits zum dritten Mal habe ich nun mit den Leuten der „Desktruktive Kritik“ in Münster über Leistungsideologie im Bildungssystem diskutiert. Die „Destruktiven Kritik“ steht der marxistischen Gruppe Gegenstandpunkt nahe. Zu diesem Umfeld zählt auch Freerk Huisken aus Bremen, der am letzten Mittwoch einen Vortrag mit der These „Ausbildung macht dumm“ hielt. Ein zentraler Punkt in seiner Argumentation ist, dass unser Bildungssystem nach Leistung und nicht nach sozialer Herkunft selektiert. Im Folgenden kritisiere ich diese These, die er in dem Artikel „Missverständnis ‚Chancengleichheit‘“ publiziert hat, sowie einige Argumente, wie sie in der Diskussion zu seinem Vortrag zu Tage traten. (mehr…)

„Gleiche Chancen in der Bildung“

Von Andreas Kemper

Das 8. Bildungssymposium in Thüringen stellt die Bildungsbenachteiligung in den Mittelpunkt

Das Bildungssymposium in Thüringen thematisiert die Überwindung sozialer Ungleichheiten unter dem Motto: „Gleiche Chancen in der Bildung“. Das 8. Bildungssymposium wird organisiert vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und vom Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien an der Universität Erfurt. Nach eigener Auskunft nimmt das Symposium damit die Forderung des UN-Sonderberichterstatters für das Menschenrecht auf Bildung, Vernor Muñoz, auf. Dieser hatte mit Blick auf den Zusammenhang von Bildungserfolg und sozialer Herkunft gerechtere Bildungsmöglichkeiten für jedes Kind gefordert. (mehr…)

Higher Education reloaded – Hochschulkongress der ÖH

Momentan (19.-21.02.2010) veranstaltet die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) einen Hochschulkongress. Am Samstag und Sonntag stehen Soziale Selektion und Chancengleichheit genauso im Programm wie Lehrerausbildung, Studienwahl und Hochschulzugang. Zahlreiche Bildungsexpert_innen leiten die Workshops für interessierte Studierende. Über einen Videolivestream lassen sich Beiträge verfolgen. Higher Education reloaded – Hochschulkongress Wien 2010

Private Schulen

Von Carl
Darf ich mal ein Thema vorschlagen, über das ihr auch noch schreiben könntet? Private Schulen! Man wird von den Medien mit Artikeln überschwemmt, die die Vorzüge dieser Schulen preisen. Das hat doch System! (mehr…)




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