Tag-Archiv für 'studie'

Herkunft zensiert

Benotung und Schulempfehlung fördern Chancenungleichheit in der Bildung: Neue Studie im Auftrag der Vodafone Stiftung untersucht Verhältnis von Leistungsdiagnostik und sozialer Ungleichheit an Schulen

Eine neue Studie hat die verschiedenen Herkunftseffekte für den Übergang zum Gymnasium untersucht und vorangegangene Studie bestätigt, die eine massive Diskriminierung von Arbeiterkindern belegen. In der von der Vodafone Stiftung finanzierten Studie „Herkunft zensiert?“ wurden vier Herkunftseffekte untersucht, die beim Übergang zum Gymnasium kulminieren:
1.unterschiedliche Leistung aufgrund des primären Effekts (Arbeiter- und Akadedmikerkinder stehen unterschiedliche Ressourcen zur Verfügung),
2. unterschiedliche Benotung der gleichen Leistung durch Lehrkräfte
3. unterschiedliche Gymnasialempfehlung der Lehrkräfte bei gleichen Noten
4. unterschiedliche Präferenzen der Eltern je nach Status (mehr…)

PISA 2009: Überdurchschnittliche Diskriminierung in Deutschland und Österreich

Von Andreas Kemper

Auch die am 07. Dezember 2010 veröffentlichten PISA-Ergebnisse (PISA 2009) bescheinigen, dass in Deutschland und Österreich die Benachteiligung aufgrund der sozialen Herkunft größer ist als im OECD-Durchschnitt. In Deutschland werden verhältnismäßig viele Lehrkräfte pro Schüler_innen in sozioökonomisch benachteiligten Schulen eingesetzt – mehr positives lässt sich nicht sagen. In allen anderen Bereichen sind Deutschland und Österreich im Mittelfeld der Bildungsbenachteiligung bzw. noch bildungsbenachteiligender als der Durchschnitt der OECD-Staaten. (mehr…)

Reiche in der Schweiz – Unterschiede seit der Geburt

Im Artikel „Eine eigene Welt, vom Gebärsaal bis zur ­Altersresidenz“ in der Wochenzeitung (WOZ) vom 21.10.2010 findet sich eine Vorabveröffentlichung von Ueli Mäders, Sarah Schilligers und Ganga Jey Aratnams Studie „Wie Reiche denken und lenken“, die heute veröffentlicht wird.

Die Sonderbehandlung beginnt schon in den ersten Sekunden des Lebens: Zwar kommen alle Kinder nackt zur Welt. Aber nicht alle Kinder erblicken das erste Licht der Welt in einer Gebärsaal-Suite der Zürcher Privatklinik Hirslanden, wo für einen «stilvollen Start ins Leben» gesorgt ist («NZZ am Sonntag»). Seeblick, Gourmetküche, Hi-Fi-Anlage und Designermöbel zeichnen die Suiten aus, im eigentlichen Gebärzimmer steht ein Designer-Gebärstuhl mit Massagefunktion und indirekter Bodenbeleuchtung, und die Scheren, Zangen, Saugglocken und Putztücher sind diskret in der Wand verborgen – möglichst wenig soll man von der Medizin sehen. Weiter

Shell Jugendstudie: Ausgrenzung der unteren Herkunftsschicht

Die neue Shell-Jugendstudie stellt eine größere Kluft in der Zufriedenheit nach den sozialen Herkunftsschichten fest. Während 84 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren der „Obersten Herkunftsschicht“ angeben, mit ihrem Leben zufrieden, bzw. sehr zufrieden zu sein, sind es in der „Untersten Herkunftsschicht“ nur 40 Prozent. Klaus Hurrelmann ermahnte die Politiker_innen mehr für die Jugendlichen aus unteren Schichten zu tun. (mehr…)

OECD: Mehr Hochschulabsolventen in Deutschland – aber auch weiter steigende wirtschaftliche Vorteile aus guter Bildung

Pressemitteilung der OECD, Berlin/Paris – 7. September 2010

Trotz steigender Absolventenzahlen an den Hochschulen nehmen die wirtschaftlichen Vorteile aus guter Bildung weiter zu. Angesichts der demografischen Entwicklung muss Deutschland mehr tun, um die Voraussetzungen für längere Erwerbszeiten zu schaffen und um dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dies ergibt sich aus der aktuellen Studie „Bildung auf einen Blick“ und einer Länderstudie zur beruflichen Bildung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die heute in Berlin vorgestellt wurden. (mehr…)

Bessere Noten für Maximilian und Charlotte?

Pressemitteilung der Universität Oldenburg, 24.08.2010

Masterarbeit zu Vornamen beschäftigt sich mit der Notengebung

Oldenburg. „Vornamengebundene Vorurteile von Grundschullehrerinnen und – lehrern“, so lautet der Titel einer Masterarbeit von Kirsten Becker, Pädagogikstudentin an der Universität Oldenburg, die den Zusammenhang von Vornamen und Notengebung analysiert. Becker untersuchte, ob die Nennung verschiedener Vornamen bei derselben Schülerleistung die Bewertung der LehrerInnen beeinflusst. „Bekommen Schüler bessere Noten, nur weil sie Maximilian und Charlotte anstatt Kevin und Celina heißen?“ verdeutlicht Prof. Dr. Astrid Kaiser, Hochschullehrerin für Didaktik des Sachunterrichts und Betreuerin der Masterarbeit, den Forschungsansatz. (mehr…)

Brauchen wir proletarische Elternräte?

Von Andreas Kemper

Ich habe mir gerade noch einmal die Studie über Wiesbadener Grundschulen angeschaut, die bestätigt, dass Lehrer_innen sich in den Schulformempfehlungen gegenüber Arbeiterkindern diskrimierend verhalten.
Bei dieser antiquierten Diskriminierung gegenüber Arbeiterkindern stellt sich die Frage, ob nicht eine Idee aus der Weimarer Republik aufgegriffen werden sollte: Proletarische Elternräte, die bei diesen ungerechten Schulformempfehlungen und der diskriminierenden Praxis korrigierend eingreifen könnten. Schließlich zeigen Studien wie die aus Wiesbaden, dass Arbeiter noch am gerechtesten die Leistungen der Schüler_innen einschätzen können. Hier die entsprechenden Ergebnisse zu den Wiesbadener Schulen: (mehr…)

DSW-Sozialerhebung und Bildungsbarrieren

Von Andreas Kemper

Im Anhang befinden sich Auszüge der DSW-Sozialerhebung 2009 zum Schwerpunkt Soziale Selektion. Es handelt sich um eine Power-Point-Präsentation mit Kommentaren. Die Präsentation wird noch um Fragen der Studienfinanzierung und Lebenshaltungskosten ergänzt. Bisher sind dort die allgemeinen Ergebnisse zur Bildungsbeteiligung enthalten.

Hier finden Ihr die Grafiken des Hochschul-Informations-Systems HIS, welches die Sozialerhebung erstellt: (mehr…)

Migrantinnen bekommen nicht mehr Kinder als Deutsche

Von Andreas Kemper

Dass in Deutschland „die Falschen“ die Kinder bekommen und daher „die Richtigen“ immer mehr Subventionen vom Staat erhalten sollten, ist nicht nur ethisch aeusserst problematisch, sondern es scheint auch empirisch falsch zu sein. Eine Studie von Hufnagel-Person konnte vor zwei Jahren bereits zeigen, dass Akademikerinnen ueberdurchschnittlich viele Kinder bekommen. Jetzt folgte eine Studie aus Rostock, die nachweist, dass auch Migrantinnen nicht ueberdurchschnittlich viele Kinder bekommen, sondern sich in ihrem Gebaerverhalten anpassen. Im Folgenden zitiere ich aus einem Bericht der Universität Rostock vom 10.08.2010 (idw): (mehr…)

Forschungsprojekt „Diskriminierungsfreie Hochschule“

Dokumentation aus dem Internetauftritt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (16.07.2010)

Forschungsprojekt „Diskriminierungsfreie Hochschule“
„Für die Mitwirkung am Modellprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, das erforscht, wie Studium, Forschung und Lehre aber auch der nichtwissenschaftliche Bereich diskriminierungsfrei gestaltet werden können,konnten zehn Fachhochschulen und Universitäten aus west- und ostdeutschen Bundesländern gewonnen werden. Mit dabei sind unter anderendie Hochschulen HWR Berlin, BTU Cottbus, FH Mannheim, TU München, die Universitäten Duisburg-Essen und Köln, die sich bereits seit einiger Zeit im Bereich Diversity engagieren und über entsprechende Erfahrungen verfügen. (mehr…)

Der Ausschluss ist die Normalität

Von Andreas Kemper

Die Zahl ist bekannt: nur 24 Prozent der Schüler und Schülerinnen aus Familien ohne akademischen Hintergrund beginnen ein Studium. Nur 17 % der Schüler_innen mit einem Arbeiter als Vater beginnen ein Studium. Das Bildungssystem scheint also die sozialen Unterschiede nicht auszugleichen, sondern verfestigt den Normalfall, dass nämlich über Dreiviertel der Nichtakademikerkinder, dass mehr als Vierfüntel der Arbeiterkinder kein Studium aufnehmen. 83 Prozent der Arbeiterkinder beginnen kein Studium – das ist die Normalität und von dieser Realität müssen wir ausgehen, wenn wir fragen, wie einzelne Schüler und Schülerinnen für ein Studium gewonnen werden können. (mehr…)

Wechselwirkende Ungleichheiten

Über Gabriele Winker und Nina Degeles „Intersektionalität. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten“

Von Andreas Kemper

Der Begriff „Intersektionalität“ kommt aus dem us-amerikanischen Sprachgebrauch („Intersection“) und bedeutet wörtlich Überschneidung. Gemeint ist damit die Überschneidung von Unterdrückungen und Diskriminierungen. Beispielsweise kann eine türkische Frau in Deutschland diskriminiert werden, weil sie eine Frau ist und weil sie aus der Türkei kommt. Sie kann sich aber auch in ihrer Identität als Türkin diskriminiert fühlen, ohne dass sie auf Kategorien wie Geschlecht und Rasse zurückgreift oder sich mit anderen Frauen oder mit anderen von Rassismus betroffenen Menschen verbunden zu fühlen. (mehr…)

Intersektionalität: Interview mit Gabriele Winker und Nina Degele

Andreas Kemper hat mit Gabriele Winker und Nina Degele, den beiden Autorinnen des Buches „Intersektionalität. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten“ im April 2010 per E-Mail folgendes Interview geführt

Zunächst: Ich habe mich sehr über Ihr Buch gefreut. Der Aufbau schafft es, sowohl die Ebenen als auch die verschiedenen Formen von Unterdrückung und Diskriminierung in eine Matrix logisch zusammen zu bringen. Wie entstand die Idee zu diesem Buch?

Zunächst freuen wir uns natürlich über Ihre Einschätzung, dass es uns mit dem Buch gelungen ist, die Verwobenheit unterschiedlicher Diskriminierungen auf drei Ebenen aufzuzeigen. Dies war exakt auch der Ausgangspunkt unserer bereits über drei Jahre andauernden Kooperation. Als feministische Soziologinnen sehen wir uns von zunehmenden sozialen Ungleichheiten, damit einhergehenden Diskriminierungen, Abwertungen entlang vielfältigster Differenzierungskategorien herausgefordert. (mehr…)

Armut als Ergebnis unvorteilhafter Kombinationen

Von Konstantin Bender

Der vorliegende Beitrag basiert auf dem im BdWi-Verlag erschienenen Buch „Der Zusammenhang von Behinderung und Armut – Ein Beitrag zur Sozialberichterstattung“ . Der Beitrag ist gegliedert in einen Teil in dem die zentralen Begrifflichkeiten (Behinderung und Armut) dargestellt werden und einen weiteren Teil in dem ausgehend von durch den Autor konstruierten sozialen Lagen von Menschen mit Behinderungen der Belege für die These erbracht werden, dass es zwar Armutsrisiken vermittelt durch einzelne Individualmerkmale wie dem Alter, dem Geschlecht oder der Behinderung gibt, dass es aber unvorteilhafte Kombinationen und die damit einhergehenden gesellschaftliche vermittelten Nachteile sind, die das Armutsrisiko entscheidend bestimmen. Datengrundlage ist der Scientific-Usefile des Mikrozensus aus dem Jahr 2005. (mehr…)

Immer mehr Schulabgänge ohne Abschluss

Der morgen vorgestellte Integrationsbericht stellt die neuen Zahlen der Bildungsabschlüsse von Schülern und Schülerinnen mit Migrationshintergrund vor. Demnach würden gegenüber den Vorjahren ein Drittel mehr Migrantenkinder ihre Schulzeit ohne Abschluss beenden. 13,3 Prozent dieser Schüler_innen haben nun keinen Schulabschluss. Aber auch bei Kindern mit deutscher Herkunftsfamilie ist die Zahl ohne Schulabschlüsse um ein Drittel gestiegen von 5,4 Prozent 2005 auf 7 Prozent. (mehr…)




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