Tag-Archiv für 'uni-bluff'

Sachens Kultusminister unter Plagiatsverdacht

Auch Sachsens Kultusminister, Roland Wöller (CDU), wird verdächtigt, Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. So berichtet die aktuelle ZEIT-online in dem Artikel „Wissenschaft Tacheles, Herr Doktor!“, dass bereits 2007 darauf hingewiesen wurde, dass Teile der Doktorarbeit von 2002 Teilen einer Magisterarbeit von Bernd Adolph glichen.

Es handelt sich nun um den zweiten Kultusminister, der unter Plagiatsverdacht steht. Nach welchen Kriterien werden eigentlich Kultusminister bestimmt? Und was sagt uns das in Bezug auf Uni-Bluff?

Was soll ein Doktorgrad?

Von Andreas Kemper

Was soll ein Doktorgrad? Warum gibt es ihn? Pierre Bourdieu spricht von „institutionalisiertem kulturellen Kapital“. Der Doktorgrad gibt dem Habitus, bzw. dem „inkorporierten sozialen Kapital“ eine institutionelle Wahrheit: man ist Doktor. In Deutschland, Österreich und Tschechien kann der Doktorgrad im Personalausweis geführt werden (in allen anderen Staaten allerdings nicht), was nocheinmal mehr unterstreicht, das es sich bei Doktor_innen vor allem in Deutschland um „akademischen Adel“ handelt. Dieser Grad ist notwendig für die Stellenbesetzung. Durch die aufgeflogenen Plagiate von Spitzenpolitiker_innen in den letzten Jahren gerät diese Titelhuberei allerdings in die Kritik. Doch dies ist nur die eine Seite. Spannend ist die Frage: was ist denn unter „dem Neuen“ zu verstehen, welches eine Dissertation von anderen Arbeiten unterscheidet. Und was legitimiert, von Doktor_innen zu sprechen, vom Standpunkt akademischer/studierender Arbeiterkinder betrachtet? Gramsci spricht von „organischen Intellektuellen“. Mit meiner Dissertation möchte ich tatsächlich Neues in die Welt bringen. Ich würde mit Euch gerne diese Fragen diskutieren.

Der eigentliche Skandal ist dieser Auftritt

Guttenbergs Erklärung
Bitte schaut euch den Mitschnitt an: Guttenbergs Erklärung. Er beginnt und endet damit, dass irgendein wichtiger Offizier hinter Guttenberg herschreitet. Ich hatte an anderer Stelle über Klassenkörper geschrieben und mich dabei auf Foucault und Bourdieu bezogen. Michael Hartmann spricht von einem bestimmten souveränen Auftreten, welches man als Arbeiterkind kaum lernen kann. Der eigentliche Skandal in unserer Gesellschaft ist die eingeräumte Wirkmächtigkeit solcher Auftritte, die Dominanz der Form über den Inhalt, die dafür sorgt, dass sich die Klassen in den gehabten Bahnen reproduzieren. Diese Dominanz gilt es zu dekonstruieren. Aber wie?

Ergänzung: Als ich den obigen Text schrieb, war mir nicht klar, dass ein Großteil der Medien von der Erklärung ausgeschlossen gewesen ist. Hier die ZDF-Berichterstattung über die in der Bundespressestelle wartenden Journalist_innen: Was soll der Kokolores? Tatsächlich scheint Guttenberg hier nur in einem bestimmten Rahmen seine Souveränität aufrechterhalten zu können.

Gericht verbietet Werbung von Doktor-Ghostwriter

Einem Bericht der Welt-Online (17.02.2011) zufolge hat ein Gericht eine Werbung verboten, wo sich jemand als Marktführer im Bereich des „wissenschaftlichen Ghostwriting“ pries. Er verlangte je nach Umfang für eine Dissertation zwischen 10.000 und 20.000 Euro.

Minister zu Guttenberg ist Teil des Uni-Bluff

Von Olaf Götze

Minister zu Guttenberg ist Teil des Uni-Bluff

Die Enthüllung über die in Teilen plagiierte Doktorarbeit des Bundesverteidigungsministers Theodor zu Guttenberg stellen die Spitze des Eisberges in einem sozial selektiven Hochschulsystem dar. Sie deckt auf, wie in diesem Land unrechtmässig und übervorteilt die Hochschule auf der Karriereleiter nach Oben durchlaufen werden kann. (mehr…)

Veranstaltung mit Lars Schmitt verschoben auf 2.12.2010

Die Veranstaltung mit Lars Schmitt „Probleme und Konflikte von Arbeiterkindern an der Universität und ihre mögliche Lösung“ wird um zwei Wochen nach hinten verschoben. Sie findet jetzt statt am Donnerstag, 02.12.2010 – wie zuvor um 18 Uhr im S6 im Schloss (Uni Münster).




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